Gegensätzliches wie Julnacht- Bräuche und christliches Gedankengut kön-nen jedoch kontaminiert werden. Derlei fließt in einer schwedischen Erzäh-lung ineinander:
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( 28) ERZÄHLUNG AUS SCHWEDEN
Mein Großvater hat mir diese Geschichte erzählt: Vor langer, langer Zeit lebteeinmal ein Arzt im Norden unseres Landes. Er wohnte in einem kleinen Dorfund betreute die Leute eines größeren Landstriches. Überall war er sehr be-liebt, denn er war unermüdlich und immer freundlich und verstand sich vorallem mit den Kindern sehr. Am Rande seines Dorfes ließ er sich ein schönesHaus bauen, und dort lebte er zusammen mit einer alten Haushälterin undeinem Kutscher, denn er war unvermählt.
Da es weit und breit keinen anderen Doktor gab, hatte er viel, viel Arbeit, undso fuhr er sommers mit der Kutsche und winters mit dem Schlitten landauf,landab, um seine Kranken zu besuchen. Er war ein kluger Herr, und da esin jener Gegend keine Apotheke gab, machte er gleichzeitig auch den Apothe-ker.
Nun gab es damals einen sehr strengen Winter. Die große Kälte ließ schonfrühzeitig die Flüsse einfrieren und es warf eine Menge Schnee herab, so daßdie Straßen vor allem in den Bergen meterhoch verweht waren. So konnte derDoktor nur mehr seine Kranken im Tiefland versorgen, denn die Berge undWälder waren ungangbar geworden und wenn er sich aus dem Dorf hinaus-wagte, mußten er und der Kutscher Flinten mitnehmen, denn Kälte und Hun-ger hatten die Wölfe und Bären aus ihren Verstecken getrieben, so daß sie dieGehöfte umkreisten. Anfangs kam hin und wieder auch noch ein Reiter ausdem Wald, aber dann kamen sie nicht mehr durch und der Arzt mußte diegrößeren Fahrten einstellen.
Jenseits der Berge aber lag eine kleine Siedlung und dort war ein kleines Mäd-chen krank geworden. Die Mutter versuchte erst alles, was man an Hausmit-teln geben kann, aber als das alles nichts half und das Fieber des Kindes stieg,sagte sie zu ihrem Mann: ,, Du mußt um den Arzt reiten, sonst stirbt unserKind, denn ich habe alle Arzneien vergeblich versucht. Das Mädchen istschon ganz schwach geworden und es fiebert schon seit Tagen.",, Frau,"entgegnete der Mann ,,, das ist unmöglich. Du weißt, wie lieb ich unser Kindhabe, aber die Wälder sind so verschneit, daß an ein Durchkommen gar nichtzu denken ist. Und selbst wenn ich mich zu Pferd durchschlagen könnte, wiesollte ich den Doktor mit dem Schlitten hierher bringen? Wir können nur war-ten und auf das Beste hoffen." Aber die Frau gab nicht nach, sie drang unddrang so lang in ihren Mann, er solle doch wenigstens versuchen, vom Arzteine gute Medizin zu besorgen, daß er schließlich sein Pferd sattelte, seineBüchse nahm, um in das andere Dorf zu reiten. Doch war er kaum bis anden Waldrand gekommen, als sein Roß bis zum Leib im Schnee versank undihn ein Rudel Wölfe umkreiste. Als er sich umwandte, stürzte gar noch seinPferd, und nur mit Not und unter Schüssen konnte er sich wieder zu seinem
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