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EINFÜHRUNG
Die Offenbarung in Form des Wortes steht am Anfang der aus dem Osten( von den orientalischen Glossar ::: zum Glossareintrag orientalischen monotheistischen Religionen) zu uns gekommenenReligionen. Und jedes Wort- sei es von Gott oder einem Propheten stam-mend ist zuerst gesprochen und erst später niedergeschrieben worden.Das gilt im Rahmen des Christlichen sowohl für die kanonischen Texte wiefür die Apokryphen. Freilich müssen wir davon ausgehen, daß die kanoni-schen Texte des Neuen Testaments früher mündlich berichtet und schriftlichniedergelegt worden sind als jene Textkomplexe, die wir als, apokryph' be-zeichnen, die also als verborgen, untergeschoben, kirchlicherseits nicht an-erkannt und damit im weiteren Sinne unecht, falsch und verdächtig- gel-ten.
Aber auch die ältesten Apokryphen reichen bis in die erste Hälfte des 2.Jahrhunderts zurück, und sie lebten- wohl mündlich ebenso wie schriftlich
längere Zeit neben den als inspiriert geltenden Evangelien her, ja findensich als erbauliche Schriften in den gleichen Textsammlungen. So enthält ei-ner der ältesten Codices aus dem Bereich des Neuen Testaments der be-rühmte ,, Codex Sinaiticus"- nach den kanonischen Texten noch den Bar-nabas- Brief und den sogenannten„ Hirten“ des Hermas.
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Aus den schriftlich niedergelegten Apokryphen speisen sich die meisten mit-telalterlichen Legenden, die sich auf das Leben Christi beziehen, undSammlungen wie die„, Legenda aurea" des Jacobus de Varagine( 13. Jahr-hundert) haben zahlreiche Texte wieder zur literarischen Bearbeitung- bisherauf zu Selma Lagerlöf weitervermittelt.
Es waren jedoch nicht nur die frühen mündlichen Erzählungen, von deneneinzelne Berichte, wenn schon nicht auf Augenzeugen, so doch auf die Oh-renzeugen von Augenzeugen zurückgegangen sein können, sondern wirmüssen als Quelle auch die verschiedenen Visionen und Gesichte berück-sichtigen, die bis herauf zur stigmatisierten Nonne Anna Katharina Emme-rick( 1774-1824) und zu Therese von Konnersreuth reichen.Dem Wort geht der Sinn voraus. Es geht nicht um eine philosophische Re-flexion, sondern um eine Erfahrung des Geheimnisvollen im Weltzusam-menhang. Der Sinnzusammenhang muß freilich mit Worten umschriebenwerden, die an die Erfahrbarkeit gebunden sind. Das Wunderbare, dasÜbersinnliche, soll mit dem Wort eingefangen und umkleidet werden. Da-bei läßt sich eine Diskrepanz nicht vermeiden: Das Unfaßbare kann nur inGleichnissen und Vergleichen faẞbar werden und der schlichte Sinn jenerMenschen, die den Hintergrund solcher geheimnisvoller Exempla nicht be-greifen, deutet sie unmittelbar, wörtlich und vordergründig aus. Symbol undZeichen werden als Abbild der Wirklichkeit aufgelöst.
Man könnte hier freilich mit Heidegger den Wirklichkeitsbegriff in Fragestellen, da es keine objektive Wirklichkeit gibt. Wer beweist, daß die innereWirklichkeit weniger wirklich ist als die äußere, be- greifbare? Und man wirddem Philosophen zustimmen, daß die existentielle Wahrheit, wirklicher' istals die rationale Tatsächlichkeitswirklichkeit."
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