Schwerpunkte volkskundlicher Forschungsgeschichte
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sungen an der Waldviertler Bevölkerung auch irgendwo abgeliefert, mit den Auswer-tungen der Untersuchungen sei sie allerdings nicht mehr befaßt gewesen. Auch dieseanthropologischen Fragebögen, für deren Existenz ein leeres Formular in den weni-gen erhaltenen Unterlagen spricht, waren im Zuge der Untersuchungen in den ver-gangenen Monaten an den einschlägigen Stellen nicht aufzufinden. Das Schwerge-wicht auf dieser Art der Forschung erklärt allerdings, warum die studentische Ar-beitsgemeinschaft im Waldviertel von der Fachgruppe Medizin der Studentenfüh-rung der Universität Wien ausging und in ihr so viele Medizinstudenten vertreten
waren.
Auf Arthur Haberlandt, den damaligen Direktor des Österreichischen Museumsfür Volkskunde, ist die Leiterin der Arbeitsgemeinschaft erst in Döllersheim selbstgestoßen. Das heißt, es sei umgekehrt gewesen, Arthur Haberlandt sei auf sie gesto-Ben und hätte bei dieser Gelegenheit die Anregung gegeben, wenn sie schon im öf-fentlichen Auftrag das Entsiedlungsgebiet erkunde, mit Hilfe eines volkskundlichenFragebogens die volkskundliche Erkundung der Region gleich„ mitzunehmen“. So-wohl Arthur Haberlandt als auch Adalbert Klaar, der sich zur selben Zeit zu Haus-und Siedlungsformenaufnahmen im Entsiedlungsgebiet aufhielt, gaben an Ort undStelle Einführungen und Anleitungen, wie die Erhebungen durchzuführen seien, aufwas man achten solle. Man erstellte gemeinsam einen Fragebogen, der die BereicheDorf, Kirche, Handwerk, Haus und Hof, Kleidung, Nahrung und Bräuche im Le-bens- und Jahresablauf in vielen Details enthielt, und auf diese Weise wurde die„, Ar-beitsgemeinschaft Waldviertel" zu einer volkskundlichen Arbeitsgemeinschaft um-funktioniert.
Das in den zitierten Berichten der Arbeitsgemeinschaft immer wieder erwähnteErinnerungsbuch, für welches ebenfalls Unterlagen gesammelt werden sollten, ist imJahre 1942 tatsächlich erschienen. 23 Der Erscheinungsort war allerdings Berlin undder Herausgeber die Deutsche Ansiedlungsgesellschaft, welche die Entsiedlung derRegion um Döllersheim durchführte. Das Buch war als Erinnerungsgabe an die Aus-siedler gedacht. In der Einführung des Buches werden zahlreiche Stellen und Perso-nen bedankt, die an der Erstellung der Unterlagen mitgewirkt haben, der Verein fürLandeskunde und das Archiv des Reichsgaues Niederdonau( Karl Lechner), Wienerund niederösterreichische Bibliotheken, lokale Stellen wie die Pfarrämter, das StiftZwettl, das Landratsamt in Zwettl, zahlreiche Privatpersonen, aber keineswegsVolkskundler oder gar Studenten. Das von der Arbeitsgemeinschaft Waldviertel fürdas Erinnerungsbuch gesammelte Material, und vor allem die vielen dafür angefertig-ten Photos, sind scheinbar ebenso verschwunden wie alle anderen Unterlagen. Beider geplanten Umsiedlung in Südtirol 1939 bis 1940 gab es innerhalb der in diesemRahmen eingesetzten Kulturkommission ebenfalls Bemühungen um die Erstellungvon Ortsbüchern für jeden umzusiedelnden Ort. 24 Diese Ortsbücher sollten Pläne,statistische Daten und Aufnahmen der Architektur des Ortes enthalten, um einer-
23 Ernst Werner Techow, Die alte Heimat. Beschreibung des Waldviertels um Döllersheim.Herausgeber: Deutsche Ansiedlungsgesellschaft Berlin. Berlin 1942.
24 Vgl. Karl Stuhlpfarrer, Umsiedlung Südtirol 1939- 1940. Wien, München 1985, 1. Band,S. 397399.