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Wegmüssen
allerdings aufgrund der nur ganz spärlich erhaltenen, begleitenden schriftlichen Do-kumentation im Archiv des Österreichischen Museums für Volkskunde nur teilweiserekonstruieren. Die wenigen erhaltenen Dokumente vermitteln aber hochinteressan-te Aufschlüsse über die zu jener Zeit übliche Forschungs- und Sammlungspraxis.
Aus den Unterlagen geht hervor, daß im Frühjahr 1938 eine sogenannte„ Arbeits-gemeinschaft Waldviertel" gegründet worden war. 13 Ihre Arbeit setzte Ende Juni1938 ein. Die Arbeitsgruppe bestand anfangs aus fünf Mitarbeitern und einer Leite-rin. 14 Diese war Studentin der Medizin und Anthropologie, 1938/39 aus gesundheit-lichen Gründen nicht inskribiert und stand daher für Forschungsprojekte außerhalbWiens zur Verfügung. Bereits im Juli 1938, als die Entsiedlung der ersten acht Ort-schaften im Gange war, verbrachte die Arbeitsgruppe 14 Tage im Waldviertel undarbeitete anschließend in Wien drei Wochen an der Auswertung der Ergebnisse.
In einem ersten zusammenfassenden Bericht werden folgende Partei- und Staats-stellen genannt, mit denen die Gruppe zusammenarbeitete: Gau Niederdonau derNSDAP, Ministerium für Land- und Forstwirtschaft, Landesbauernschaft„ Donau-land", Armeekommando 17,15 Standarte 73, Brigade für Zwettl, Kanzlei des Reichs-statthalters, Landesplanungsstelle, Studentenbund, Vermögensverkehrsstelle. BeiBeginn der Arbeit bestand der Plan:
,, 1. in dem Gebiet, das zugunsten eines Truppenübungsplatzes evakuiert wurde, alle histo-risch wichtigen Gebäude und Kulturdenkmäler fotografisch festzuhalten, 2. von der vonder Aussiedlung betroffenen Bevölkerung Erinnerungsbilder und 3. eine anthropologischeArbeit über das Gebiet, in dem sich noch viele Verwandte des Führers befinden, zu schaf-fen." 16
Das im Juli 1938 erhobene Material bestand aus anthropologischen Arbeiten,Photos für ein Erinnerungsbuch, architektonischen Vermessungen und einer Auf-zeichnung der Fehler, welche bisher bei der Umsiedlungsaktion gemacht wordenwaren. Als Arbeitsvorhaben bis zum Abschluß der Arbeit wurden folgende Punktein Aussicht genommen:
,, 1. ein Organisationsplan für die Ansiedlungsgesellschaft aus den Erfahrungen bei der Eva-kuierung der 8 Orte und eines Studenteneinsatzes im Dezember/ Jänner dieses Winters[ Anm.: 1938/39] in den restlichen 33 Orten. 2. Vorschläge für eine neue Heimat aus denErgebnissen der anthropologischen Arbeit. 3. Schaffung eines Erinnerungsbuches für diebetroffenen Familien."<< 17
13 Daneben gab es noch ähnliche weitere Arbeitsgemeinschaften. Eine von ihnen war imMarchfeld im Weinviertel tätig, eine andere in Lackenbach im Burgenland.
14 Die Leiterin der„ Arbeitsgemeinschaft Waldviertel" war Frau Adolfine Misar, die mirin mehreren Gesprächen im Vorjahr, soweit sie die Dinge im Gedächtnis behalten hatte, überdie Forschungen vor 50 Jahren im Waldviertel berichtete. Für diese wertvollen Mitteilungensei hier ein herzlicher Dank ausgesprochen.
15 Das war wohl die Wehrkreisverwaltung XVII, welche mit der Errichtung des Truppen-übungsplatzes in Döllersheim betraut worden war.
16 Maschinschriftliches Manuskript, Archiv des Österreichischen Museums für Volkskunde.17 Ebenda.