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Wegmüssen : die Entsiedlung des Raumes Döllersheim (Niederösterreich) 1938 - 1942 ; volkskundliche Aspekte ; Begleitveröffentlichung zur Sonderausstellung im Schloßmuseum Gobelsburg ; mit einem Beitrag über Waldviertler Flur-, Siedlungs- und Hausformen von Ernst Pleßl und einer Beschreibung Waldviertler Hochzeitsbräuche von Adolfine Misar
Entstehung
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Wegmüssen

graphischer, naturwissenschaftlicher, topographischer und historischer Detailfor-schung". Das Waldviertel galt aber keineswegs als das bevorzugte Ziel der bieder-meierlichen Reisenden, weswegen diese Literaturgattung für diesen Landesteil auchnur spärliche Namen und Titel ausweist( J. A. F. Reil, 1823 und 1835, Eduard Melly,1833 34, Adolf Schmidl, 1835- 39, Franz Carl Weidmann, 1843).6

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Der endgültige Übergang von der sogenannten schöngeistigen Literatur mit lan-des- und volkskundlichem Quellenwert zu der Ausbildung einer wissenschaftlichenPublikationstätigkeit im heutigen Sinne erfolgte für Niederösterreich und damit auchfür das Waldviertel in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts. Einen der wichtigstenSchritte dafür bedeutete die Gründung des Vereins für Landeskunde von Nieder-österreich im Jahr 1864 durch Moritz A. Becker. Die Volkskunde Niederösterreichserhielt 1888 eine erste umfassende Darstellung durch den Seitenstettner BenediktinerRobert Weißenhofer in dem von Kronprinz Rudolf angeregten Sammelwerk: DieÖsterreichisch- Ungarische Monarchie in Wort und Bild".

Das Waldviertel wird in der jüngeren historischen Literatur immer wieder als dasin landeskundlicher Hinsicht am intensivsten durchforschte Viertel des Landes Nie-derösterreich bezeichnet. Das Waldviertel, und damit auch das Entsiedlungsgebiet,ist in den ersten Bänden der Österreichischen Kunsttopographie" nahezu vollstän-dig erfaßt. Die fraglichen Bände erschienen 1907 bis 1911. In der Zwischenkriegszeiterfolgte die Herausgabe der Schriftenreihe Das Waldviertel" durch Eduard Stepan.Von 1926 bis 1937 erschienen sieben Bände, darunter 1926 ein von Heinrich Rau-scher verfaßter Band Volkskunde, dem bis heute keine neuere volkskundliche Ge-samtdarstellung des Viertels gefolgt ist. Der Schulmann Heinrich Rauscher war Zeitseines Lebens heimatkundlich tätig, gründete das Heimatmuseum in Waidhofen a. d.Thaya und war Mitbegründer und Schriftleiter der seit über 50 Jahren bestehendenZeitschrift Das Waldviertel". Überhaupt waren es in der Hauptsache Lehrer oderdem Priesterstand angehörende Forscher, die die wesentlichen Leistungen der Hei-matkunde und damit auch der Volkskunde in den ersten Jahrzehnten des 20. Jahr-hunderts für das Waldviertel vollbrachten. Man denke an die wichtigen Werke vonDechant Rupert Hauer, Propst Stephan Biedermann¹0 oder Dechant Alois Plesser,der über 300 heimatkundliche Abhandlungen hinterlassen hat und der auch eine Zeit-lang Pfarrer in Großpoppen gewesen war( 1894 bis 1906). 11 Wichtige Impulse für dieVolkskunde gingen auch von den heimatkundlichen Museumsgründungen desWaldviertels aus, die ihre Wurzeln in privaten Sammlungen hatten. Johann Krahu-letz legte in Eggenburg neben einer urgeschichtlichen auch eine volkskundliche

5 Häusler, a.a.O., S. 25.

6 Häusler, a.a.O., S. 30- 31; Schmidt, a.a.O., S. 26- 29.

7 Robert Weißenhofer, Zur Volkskunde Niederösterreichs. In: Die österreichisch- ungari-sche Monarchie in Wort und Bild. Band: Niederösterreich. Wien 1888, S. 183- 250.

8 Häusler, a.a.O., S. 33; Karl Gutkas, Geschichte Niederösterreichs. Wien 1984, S. 254.9 Rupert Hauer, Heimatkunde des Bezirkes Gmünd. Gmünd 1924( 2. Auflage Gmünd1951, 3. Auflage Gmünd 1986).

10 Unter anderem Stephan Biedermann, Döllersheim, seine Pfarr-, Markt- und Herr-schaftsgeschichte. Zwettl 1929.

11 Vgl. Franz Trischler, Dechant Alois Plesser, ein Heimatforscher aus Leidenschaft. In:Franz Trischler( Hrsg.), Zwischen Weinsberg, Wild und Nebelstein. Zwettl 1974, S. 237–239.