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Wegmüssen : die Entsiedlung des Raumes Döllersheim (Niederösterreich) 1938 - 1942 ; volkskundliche Aspekte ; Begleitveröffentlichung zur Sonderausstellung im Schloßmuseum Gobelsburg ; mit einem Beitrag über Waldviertler Flur-, Siedlungs- und Hausformen von Ernst Pleßl und einer Beschreibung Waldviertler Hochzeitsbräuche von Adolfine Misar
Entstehung
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Wegmüssen

kundliche Untersuchung und Sammeltätigkeit nahm das Österreichische Museumfür Volkskunde im vergangenen Jahr zum Anlaß, aufgrund von zeitgeschichtlichenDokumenten und gegenwärtigen empirischen Forschungen der Geschichte dieserEntsiedlung aus heutiger Sicht nachzugehen, und deren volkskundliche Aspekte auf-zuspüren.

Wie ging die Entsiedlung tatsächlich vor sich, und wie stellt sie sich in den Augender Betroffenen heute dar? Was ist aus den Siedlern" geworden, wie bewältigtensie ihr Schicksal? Unter welchen wirtschaftlichen und sozialen Gegebenheiten spieltesich das Leben dieser Waldviertler vor 1938 ab? Wie sah ihr Tagwerk aus, wie ihreFest- und Feiertage? Wie die Dörfer und Häuser, in denen sie wohnten? Volkskul-tur" von damals, in einer im wesentlichen bäuerlich geprägten Welt und einer poli-tisch unruhigen, von Wirtschaftsflauten und damit verbundener Arbeitslosigkeit ge-kennzeichneten Zeit einerseits- Aussiedlerkultur" der achtziger Jahre im Zeichenvon Vergangenheitsbewältigung, mit jährlichen Treffen, gemeinsamen Wallfahrten,Allerseelenfeiern, Bewahren der Erinnerungen für die zum Teil nicht mehr, zum Teilschon wieder an diesen Dingen interessierten Kinder und Enkelkinder andererseits?

Das Thema Truppenübungsplatz und Entsiedlung ist ein heißes Eisen, die Zeitdes Nationalsozialismus und deren Bewältigung erst recht. Man spürt es daran, daßdie zu diesen Themen Befragten zum größten Teil nicht genannt werden wollen, daßmanche von ihnen die für eine Ausstellung und Publikation zur Verfügung gestelltenPhotos und Zeitdokumente zensurieren. Die heutige Einstellung zu diesen Dingenund den Ereignissen vor 50 Jahren ist selbst unter den Aussiedlern äußerst kontro-vers. Der Truppenübungsplatz, gegen dessen Errichtung während der nationalsozia-listischen Diktatur nicht die geringste Einspruchsmöglichkeit bestand, steht heutenicht mehr unumstritten da. Während seine Benützer ihn aufgrund des gegenwärti-gen Standes der Waffentechnik für zu klein befinden, bezweifeln die Gegner einermilitärischen Landesverteidigung die Notwendigkeit seiner Existenz überhaupt. DieAussiedler selbst haben sich notgedrungen mit den Gegebenheiten abgefunden, derVerlust der alten Heimat ist ihnen jedoch unauslöschliches kulturelles Merkmal ge-blieben.

Die vorliegende Untersuchung stützt sich auf schriftliche Quellen aus öffentli-chen und privaten Archiven, auf die leider nur in wenigen Bruchstücken erhalteneDokumentation der Arbeitsgemeinschaft Waldviertel" aus den Jahren 1938/39 undauf eine im vergangenen Jahr durchgeführte Feldforschung im Entsiedlungsgebiet,im Zuge derer Gespräche mit unmittelbaren Zeitzeugen wie auch mit von den Aus-wirkungen der Ereignisse Betroffenen geführt wurden. Denn neben der zweifelloswichtigen Auswertung von archivalischen Quellen gewinnen Erkenntnisse aus derzur Zeit so modernen Forschungsmethode der oral history", welche von der wis-senschaftlichen Volkskunde seit jeher zur Gewinnung von Arbeitsunterlagen heran-gezogen wurde, für zeitgeschichtliche Themen besondere Relevanz. Die Photodoku-mentation zur Ausstellung und der vorliegenden Begleitveröffentlichung besteht ausden einzigartigen Aufnahmen der Leiterin der Arbeitsgemeinschaft Waldviertel"aus den Jahren 1938/39 im Entsiedlungsgebiet, Adolfine Misar, und der sogenanntenteilnehmenden Beobachtung mit der Kamera an Veranstaltungen der Aussiedler imZusammenhang mit dem Aussiedler- Forschungsprojekt des Österreichischen Mu-seums für Volkskunde im Jahre 1987. Eine weitere Quelle stellen die privaten Pho-