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Fünf Tage in Sardinien
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fanter Stiege geleitet den Wanderer hinauf. Oben angelangt, genießt man wiedereine reizende Aussicht, analog den bereits erwähnten Fernsichten. Nach diesemRundgang durch den auf einen verhältnismäßig engen Raum sich erstreckendenDrt, würde man es kaum glauben, daß seine Einwohnerzahl 54.000 beträgt.Am Nordrande der Stadt befindet sich das ziemlich gut erhaltene römischeAmphitheater und die sich über ein wüstes Kalksteinplateau erstreckende antikeNekropole. In Höhlen eingemeißelt finden wir hier römische Gräber: Stein-platten zu zweien oder mehreren, wie die Betten eines Eisenbahnschlafwagensübereinandergeschichtet. Dazwischen punische Gräber: freisrunde Löcher im Boden,daran schließend 2 bis 3 Meter in die Tiefe reichende, sich gleichmäßig gegendie Basis zu kegelförmig verbreiternde Hohlräume. In der Umgebung dieserTotenstadt ist das Altertum noch weiter durch die unscheinbaren Reste des alt-römischen Hauses des Tigellius" und durch die mit Schlangenreliefs an derenEingange geschmückte Grotta della vipera", einer vornehmen römischen Grab-stätte vertreten.

Eine ungefähr einstündige Wagenfahrt südwärts von der Stadt brachteuns zu dem von einer mittelalterlichen, halb verfallenen Festung gekrönten CapSan Elia. Dieser Kalkfelsen bot uns einen schönen Blick auf den Golf vonCagliari und in weiter Ferne auch auf die Stadt. Hier schritten wir überüppiges Grün, herrlich belebt durch das prangende Rot mohnblumenartiger Ge-wächse. In der ganzen Umgebung des Hügels erblickt man Haufen von Salz,welches hier aus dem Meere gewonnen wird. Einzelne Gruppen von Sträf-lingen, durch ihre grauweißen Zwilchgewänder und noch mehr durch den sieauf Schritt und Tritt verfolgenden bewaffneten Wächter kenntlich, besorgendiese Arbeit.

An einem schönen Sonntagvormittag fuhren wir in ungefähr einer Stundezu dem östlich von Cagliari gelegenen, 8400 Einwohner zählenden Ort QuartoSan Elena. In der Kirche konnten wir die bunten Volkstrachten der Weiber Glossar ::: zum Glossareintrag  Weiberbewundern. Die Grundfarben waren auch hier Schwarz und Rot. Leider be-famen wir jetzt, als in der Fastenzeit, nicht den interessanten Schmuck der Frauenzu sehen. Aber in den Straßen von Cagliari erblickten wir ihn reichlich in denAuslagen der Juweliergeschäfte: goldene Ketten, aus Kugeln oder kugelähnlichenGebilden zusammengesezt, alles getricbene Arbeit. An diesen Erzeugnissen machtsich der Einfluß des Orients Glossar ::: zum Glossareintrag  Orients deutlich bemerkbar. Interessant schien nur noch,daß die Frauen im Gotteshause von den Männern getrennt waren.

Drei Kilometer nördlich von Cagliari ragt auf sanft ansteigendem Kalkfelsendie mittelalterliche Burg San Michele, weithin sichtbar, himmelwärts. DerWeg dahin führte uns an Kaktushecken vorbei, zwischen denen wir wild wach-sende dünne Spargelstämmchen erblickten. Kinder waren eben damit beschäftigt,diese zu pflücken, eine, wie man uns sagte, hierzulande ganz gewöhnliche Be-schäftigung der Jugend. Dieser Spargel unterscheidet sich, wie wir uns selbstüberzeugen konnten, von dem unsrigen nicht nur durch seine Farbe, sondernauch durch seine Bitterfeit. Weiterhin ging es nun durch Weingärten zur Ruine.Als der Anstieg auf den Hügel begann, erblickten wir zu unseren Füßen wieder-holt kleine Aushöhlungen im Gestein, die wir als Strudellöcher erkannten. Hierhatte also in unendlich fernen Zeiten das Meer gebrandet. Auf dem Gipfelder Anhöhe angelangt, stellte sich uns San Michele als ein Bau mit noch wohl-erhaltenen Mauern und Gräben und zwei mächtigen viereckigen Türmen dar.Über diesen hoch in den Lüften freisten eben zwei Turmfalken, welche dann in