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Fünf Tage in Sardinien
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Fällen zu sehen bekommt, da es die Frauen vor der Kamera wohl aus Gründender Eitelkeit abzulegen pflegen. An Kostümen der verschiedensten Art ist übrigensSardinien ungemein reich. Um 8 Uhr bestiegen wir nun den einzigen Zug,der die Insel von Norden nach Süden durchmißt. In allen Kupees lagenWärmeflaschen auf dem Boden und die Einheimischen waren in ihre Pelze undWinterröcke gehüllt troß einer Temperatur von ungefähr 10 Grad Celsiuswas sofort auf das ungemein warme Klima der Insel schließen ließ.

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Nach einer Fahrt von kaum zwei Stunden durch eine wellige gras=bestandene Ebene erreichten wir Sassari, die zweite Hauptstadt des Landesmit nahezu 40.000 Einwohnern. Allenthalben durchquerten Esel mit walzen-förmigen Behältern auf dem Rücken, von einem nebenher schreitenden Manneangetrieben, die Stadt. Sie versorgen die Stadt mit Trinkwasser, das sie vonder Jahrhunderte alten ,, Fontana del Rosello" in die einzelnen Häuser schleppen.Vom Brunnen aus öffnet sich ein Blick auf das die Stadt umgebende Kalk-steinplateau, welches, vielfach von Steinbrüchen durchsetzt und von Kaktuspflanzenbestanden, dem Auge ein malerisches Bild abgibt. In einer Konditorei, welchewir wie wohl alle Fremden besuchten, erfreuten wir deren Inhaber, einenSchweizer, durch deutsche Worte, welche er während seines 18 jährigen Auf-enthaltes, wie er selbst sagte, in Sassari nicht ein einzigesmal zu hören be-kommen hatte. Ein altes, ehrwürdiges Gebäude machte uns hierauf mit derungefähr die Größe einer unserer Mittelschulen darbietenden Università deglistudi" bekannt. Als wir uns hier an den Bedell wandten, um die vom Baedekerwarm empfohlene Sammlung prähistorischer Altertümer zu besichtigen, bat dieserden betreffenden, zufällig anwesenden Direktor der Kollektion um die Erlaubnisdazu für zwei Engländer". Für solche wurden wir auch stets während unsererganzen Reise durch Sardinien gehalten, da nur sehr selten ein Angehörigereiner anderen Nation dieses Land mit seinem äußerst geringen Fremdenverkehrbesucht. Hauptsächlich das bunt bewegte Straßenleben bildete für uns den eigen-artigen Reiz dieser Stadt, während an den Gebäuden mit ganz wenigen Aus-nahmen gar nichts zu sehen war. Da sah man Männer mit Jacken aus schwarzemZiegenfell, Kniehosen aus weißer Leinwand, hohen Stiefeln und schwarzen, weitüber den Rücken herabhängenden Müßen, dann wieder Reiter auf Maultieren,welche zweiteilige, zu beiden Seiten des Vierfüßlers herabhängende Säcke, mitGemüsen gefüllt, zu Markte brachten. Andere Landleute wieder schleppten selbst,diese zweiteiligen Säcke auf ihren Schultern tragend, ihre Waren in die Stadt.Gegen 3 Uhr nachmittags bestiegen wir den Zug, der uns nach ungefährvierstündiger Fahrt nach Macomèr brachte. Das Bahngeleise windet sich zu-erst wieder durch eine vegetationsarme wellige Ebene hindurch, später tauchtenin der Ferne deutlich vulkanische Regelberge auf und rückten allmählich im Ver-laufe der Reise dicht an den Schienenstrang heran; dann fuhr man durch er=starrte Lavaströme, wilde Lavaschluchten mit dräuenden blasigen Bildungen. Jemehr wir uns Macomèr näherten, desto häufiger gewahrte man die eigentüm-lichen turmartigen, Nuraghen" genannten Gebilde, die zu einigen Tausendeneine Spezialität Sardiniens bilden. Die schönsten davon sollen in der Um-gebung Macomèrs vorhanden sein, weshalb wir den Ort auch aufsuchten.

Nachdem wir in dem einzigen Hotel des Dorfes die Nacht verbracht hatten,brachen wir um 6 Uhr früh mit einem ortskundigen Führer auf und nun ginges zu den..Nuraghen", die an der Grenze der vor uns liegenden Ebene schonvon weitem sichtbar waren. Fenchel und Gestrüpp, soweit das Auge reicht. Als