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Fünf Tage in Sardinien
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3556. SA

BIBLIOTHE

FÜR OSTERRE

Separat- Abdruck aus der Deutschen Rundschau für Geographie und Statistik"

XXXI. Jahrgang.

( A. Hartleben's Verlag in Wien.)

Herr Docenten Dr Michael Nabstenilaufrichtige Perehrung

in

and Dankbarkeit

Flün.

Fünf Tage in Sardinien.

Von Dr. Rudolf Trebitsch in Wien.

Bei Antritt einer Rundreise durch Korsika und Sizilien beschlossen meinFreund und ich, auch das zwischen beiden Inseln gelegene, so selten bereisteSardinien zu besuchen und fünf Tage dafür zu verwenden.

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So bestiegen wir denn am 19. März 1909 im Hafen von Ajaccio denkleinen, nur zwei Kabinen erster Klasse enthaltenden Dampfer Venezuela",welcher zweimal im Monat den Verkehr zwischen Ajaccio und Porto Torrèsauf Sardinien vermittelt. Der einzige Vergnügungsreisende außer uns war einälterer Engländer, der einen Jagdausflug nach Sardinien unternahm. Er hattedie Insel übrigens schon wiederholt in derselben Absicht besucht. Das Jagd-recht soll in Sardinien sehr leicht gegen ein geringes Entgelt für jeden Fremdenzu erwerben sein. Dabei kommen, so heißt es, obendrein noch die ander-wärts in Europa so selten gewordenen Wildschweine massenhaft vor. VonMitternacht ungefähr bis 1/26 Uhr morgens dauerte unsere Überfahrt. Die Seewar ziemlich bewegt, das Stampfen der Maschine deutlich vernehmbar. Dasentseßliche Qualmen einer in der Kajüte befindlichen Öllampe bedrohte uns fort-während mit dem Ersticken. Wir fühlten uns daher förmlich erlöst, als wir,wenn auch bei Regenwetter, die flachen Ufer Sardiniens samt einigen vorge-lagerten Inselchen erblickten.

Kaum in dem natürlichen Hafen von Porto Torrès angelangt, hattenwir uns gegen den Ansturm zahlreicher Barken gegen unseren Dampfer zu ver-teidigen. Eine davon bestiegen wir nun und fuhren zum Zollamt. Eine ganzeMeute von Trägern brachte unsere kleinen Gepäckstücke von hier aus zum fünfMinuten entfernten Bahnhofe; offenbar waren mehrere erschienen, damit möglichstviel Leute etwas verdienen und sich nur ja keiner überanstrenge. Unser Weghatte uns hierbei durch ein Kotmeer an einigen ganz unbedeutenden römischenBauresten vorübergeführt. Im Stationsgebäude machte uns ein Plakat derEisenbahnverbindungen Sardiniens mit der kleidsamen, hauptsächlich in Rotund Schwarz gehaltenen Nationaltracht der Bewohnerinnen des im Gebirge ge-legenen Ortes Arizo bekannt. Das Auffallendste daran ist das quer vor demMund getragene Tuch, welches man auf Photographien nur in den seltensten

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