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mit Zylinder, Jacquetanzug oder Salonrock einherschreiten zu sehen. Die Lächer-lichkeit wird noch dadurch erhöht, daß man nur die allerschäbigsten Exemplarejener Toiletteartikel zu sehen bekommt.
Eigentümlich war es, daß das Wort„ Bauer" immer vermieden wurde,wenn von dem Berufe der Leute die Rede war, und lieber durch den Ausdruck„ Grundbesizer" ersetzt wurde. Übrigens hat diese Bezeichnung doch hierzulandemehr Berechtigung, als anderswo; es wird nämlich verschwindend wenig Acker-bau betrieben. Der Boden soll für Getreide nicht sehr günstig sein, besondersheißt es, soll der viele Regen dem Getreideanbau so schaden, daß man ihn seiteinem halben Jahrhundert beinahe aufgegeben hat. Seit jener Zeit hat sich dasKlima angeblich geändert. Getreide wird nun beinahe ausschließlich aus Amerikaimportiert. Hingegen gedeiht die Viehzucht in Irland in ausgesprochenstem Maße.Wie oft fuhr ich an einem Flusse vorüber und sah eine Viehherde ihn ebendurchschreiten, immer in feilförmiger Anordnung, sich klassischer Studien erinnernd,möchte man beinahe Schlachtordnung sagen, und die Tiere nach Gattungen ge-trennt: Pferde beisammen, Esel ebenso und die Rinder auch! Ganz merk-würdig, wie diese Vierfüßler Ordnung zu halten wissen! Man wird es mirglauben, wenn ich auch in solchen Fällen mir manchmal einen Maler herbei-gewünscht hätte, eine so liebliche Szene zu verewigen.
Auffallend ist es, wie wenig Wald sich im großen und ganzen in Irlandvorfindet. Daher fonnte einer meiner ländlichen Wirte ganz gut zu der Vor-stellung gelangen, daß jeder Wald erst angepflanzt werden müsse. So äußerteer sich nämlich mir gegenüber und war über meine entgegengesetzte Ansicht sehrerstaunt.
Freilich läßt diese Anschauung auch auf eine mangelhafte Schulbildungschließen. Von einigen Seiten wurde mir gegenüber übrigens über diesen Punktgejammert. Man erzählte mir, daß vom Parlamente gegen Ende des 19. Jahr-hunderts der allgemeine Schulzwang für Irland beschlossen, aber den lokalenBehörden des Landes es überlassen worden sei, diese neue Maßregel anzu-nehmen oder nicht; da sollen die meisten Distrikte Irlands mit der Nichtannahmedieses Parlamentsediktes vorgegangen sein.
Nach einem abermaligen zweitägigen Aufenthalt in Dublin am 6. und7. August setzte ich meine Rundreise durch Irland fort. So verbrachte ich einenhalben Tag im Städtchen Galway, welches durch einige altertümliche Gebäudeinteressant ist. Nahe der Kirche der Stadt findet sich an einer Mauer eine Ge-denktafel zur Erinnerung an einen mittelalterlichen Bürgermeister, der, wie dortzu lesen ist, so gerecht war, daß er seinen eigenen Sohn wegen irgend einesVerbrechens hinrichten ließ und der Erekution beiwohnte. Ein Schauer überkammich vor der Gerechtigkeit! Die Häuser an der Grenze dieses an derGalway- Bai gelegenen Ortes zeigen so recht das Bild irländischer Armut;jeder dieser Hütten entspricht eine gewisse Anzahl in Lumpen gehüllter Be-wohner. Wie kann es auch eigentlich in einem Lande anders sein, wo so wenigIndustrie und beinahe kein Ackerbau vorhanden ist und noch dazu die Schul-bildung sehr schlecht sein soll?!
Von Galway aus ging es mit der Bahn nach Clifden und von dort zuWagen über den Kylemore- Paß und Leenane nach Tourmakeady. Dieser Ort,in einer flachen Landschaft am Lough Mask gelegen, ist ein eigentümliches Dorfvon 1 bis 2 Meilen Länge. Hier ist noch sehr viel echt irisches Wesen erhalten.In der Umgebung sah ich Männer, die mit weißen Schaffellen bekleidet waren