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hat. Die Nonnen unterrichten hier junge Mädchen meist vom 14. Lebensjahrean aufwärts in dieser mühsamen Kunst. Ganze Ortschaften leben beinahe aus-schließlich von der Spizenindustrie.
Die Baulichkeiten Dublins bieten nicht sehr viel; beinahe alles, was nurhalbwegs von Bedeutung davon ist, ist in archäisierendem Stil gehalten, so dasHauptpostamt, das Zollgebäude, die Bank von Irland und manche andere Ge-bäude. Diese Stadt von 373.000 Einwohnern hat zwei Universitäten, einekatholische, Irland gehörige und eine staatliche. Das Museum mit einer sehrgroßen öffentlichen Bibliothek bildet eine der Zierden Dublins. In der ethno-graphischen Abteilung zeigt es sich, wie viel Irland seinen Torfmooren verdankt:alte Rüstungen, Kleidungsstücke und Waffen haben sich in der Tiefe dieser ab-gestorbenen Pflanzenwelt gefunden. Ein Kleid aus Stroh war u. a. hier ausge-stellt, wie wir es ähnlich bei außereuropäischen Völkerschaften finden und wie esnoch bei den Einwohnern der Grafschaft Kerry anläßlich von Tanzfesten ge=tragen werden soll. Steinmühlen aus der Grafschaft Donegal bewiesen mir, wieviel alte Gerätschaften sich in diesem interessanten Lande jahrhundertelangerhalten haben, ohne der modernen Kultur zu weichen. Meist finden sich solcheGegenstände begreiflicherweise nur in Distrikten, die nicht mit der Eisenbahnerreichbar sind. All diese Anblicke steigerten noch mein Interesse für das Land,weil sie bewiesen, daß es sich noch alte Traditionen bewahrt hat, eine Selten-heit in Europa, wo doch die moderne Kultur die meisten Völker schon ihrerursprünglichen Sitten und Gebräuche beraubt und sie alle untereinander mehroder minder ausgeglichen hat. Einige Kirchen von auffallend bescheidenenDimensionen, wenn auch manchmal den prunkvollen Namen Kathedrale führend,sorgen für das Seelenheil der Dubliner.
Der sogenannten„ International Exhibition" machte ich begreiflicherweiseauch einen Besuch. Auf einem großen Felde an den äußersten Grenzen der Stadtreihte sich eine Bretterbude an die andere. Der Titel„ international" war wohletwas anmaßend; denn außer Frankreich und Kanada konnte ich nirgends fremdeLänder entdecken, die ihre Produkte eingesendet hätten. Österreich- Ungarn warnur durch eine Musikkapelle vertreten, deren Mitglieder durch das Tragen wildverschnürter Uniformen die Vorstellung von Zigeunern Glossar ::: zum Glossareintrag Zigeunern in ihren Hörern weckenwollten, bei genauer Besichtigung aber viel eher Tierbändigern glichen. Es gababer ein Kinematographentheater, eine Wasserrutschbahn, mehrere Buden von derArt wie sie im Wiener Wurstelprater stehen; irgend ein wildes Volk aus einemfernen Weltteil durfte auch nicht fehlen. Natürlich sah man irische Spizen, Holz-schnitzereien aus„ bog oak", irische Homespunestoffe und sonstige Industrie-artikel. Eine Baracke war der irischen Musik und dem irischen Tanz gewidmet.Hier hörte ich die bereits erwähnte erst 15jährige berühmte HarfenvirtuosinFlorrie O'Connor. Der große Lärm, der durch allerlei gleichzeitig stattfindendeVorstellungen die Trommelfelle der Besucher in mehr oder minder angenehmeSchwingungen versetzte und sich besonders am Abend wesentlich steigerte, wardazu angetan, dem Lustwandelnden die angenehme Täuschung beizubringen, daßhier wirklich sehr viel geboten werde. Nun hätte ich bald etwas vergessen; eineganz interessante Gemäldegallerie, aus irischem Privatbesiz zusammengestellt,hatte wirklich einiges Bemerkenswerte aufzuweisen, besonders für Napoleon- Enthu=siasten. Viele Bilder bezogen sich nämlich auf irgendwelche Ereignisse ausder Zeit des großen Korsen. An Napoleon I. erinnernde Gemälde und sonstigeGegenstände findet man in Irland nicht allzu selten, weil sich ja die Iren an der