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FÜR ÖSTERRE
VOLKSKUNDE
Separat- Abdruck aus der„ Deutschen Rundschau für Geographie und Statistik"
XXX. Jahrgang.
( A. Hartleben's Verlag in Wien.)
Ein Ausflug nach Irland.
Von Dr. Rudolf Trebitsch.
Eine Tagereise trennt Dublin von London. Aufgemuntert durch schneidiggezeichnete Platate der im vorigen Sommer zu Dublin stattgehabten InternationalExhibition und vor allem durch wissenschaftliche Absichten, verließ ich am22. Juli 1907 London und fuhr über Holyhead nach Irland. Von Holyheadaus geht es in drei bis vier Stunden über die Frische See" nach Dublin.Flache Ufer boten sich uns beim ersten Anblick der Insel dar. Bald nahm unseine weite, sich allmählich verengende, in eine Strommündung übergehendeMeeresbucht auf, während wir, Kingstown links liegen lassend, uns der Haupt-stadt des Landes näherten. Ohne deutlich den Übergang zwischen dem Fluß undder See wahrnehmen zu können, landeten wir schließlich in Dublin in denschmutziggrauen Gewässern seines Liffey.
Die nächsten drei Tage waren der Besichtigung der Stadt und der Vorbe-reitung zu meiner Weiterreise gewidmet. Es ist nicht leicht, einen Ort zu schildern,über den man, wie es hier der Fall war, von keinem erhöhten Punkte aus einerechte Übersicht gewinnen kann. Es fehlen auch Berge, von denen aus sich eine über-sichtliche Photographie anfertigen ließe. So mußte ich auf eine solche verzichten.
Die elektrische Tramway, durchwegs mit Oberleitung, erleichterte mirmeine Besichtigung von Dublin, die ich von dem ziemlich zentral gelegenen Park„ Stephens Green" aus begann. Der Kondukteur gibt hier jedem Passagier eineKarte, deren Bezahlung er im vorhinein fordert und die er mit einem Maschin-chen durchlocht. Dieses freudige Ereignis wird den Insassen des Wagens durchdas Bimmeln eines silberhellen Glöckchens verkündet. Es trägt wohl dazu bei,eine behagliche Stimmung innerhalb dieser fahrenden vier Wände zu erzeugen.Die Stangen, welche die Oberleitung tragen, sind mit Körben ausgerüstet, abernicht für Blumen, wie man es erwarten könnte, sondern für Papierschnitzel.Eine gedruckte, daran angebrachte Aufschrift ersucht die Passanten, Abfälle stattauf die Straße in diese Behälter zu werfen. Dies geschieht auch tatsächlich.So bieten alle Wege ein sauberes Aussehen und es kann nicht so wie bei unsin Wien geschehen, daß bei Sturm auf öffentlichen Plätzen ein wahrer Heren-sabbath herumtanzender Papierfezen entsteht.
An der altersgrauen Universität vorbei, in deren Umgebung ziemlich alleberühmten Männer des Landes ihr Denkmal haben, ging es zur Hauptstraße,der Sackvillestreet. Unwillkürlich machte ich vor einem dieser Monumente halt.
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