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Das lachende Buch.
29.
Tränen und Wein.
Eine vornehme Edeldame, eine Witwe, warso auf das Trinken erpicht, daß sie nie ohneWein sein konnte, und sie trank, daß ihr dieAugen übergingen. Ihre Verwandten undFreunde hielten ihr vor, wie unschicklich dassei, sonderlich für sie als vornehme Dame, unddaß es ihren Töchtern schaden könnte, die sie zuverheiraten hatte, aber auch ihr selber, wennsie sich würde wieder verheiraten wollen, weildie Leute sagen könnten:„ Das ist eine Säuferin,der die Augen tränen."
Die gute Witwe antwortete ihren Beratern,es sei nicht der Wein, der sie weinen mache,sondern wann sie trinke, sehe sie an dem Bodendes Bechers das Wappen weiland ihres Gatten,um den sie so trauere und den sie so geliebthabe, daß sie sich bei der Erinnerung an ihnnicht zurückhalten könne, zu weinen.
Die Verwandten nahmen es für bare Münze,daß das Andenken ihres Gatten der Grund sei,daß sie trinkend weinte und weinend trank, undso befahlen sie den Dienern der Witwe, ihr den