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Dr. Thomas Murners Ulenspiegel
Entstehung
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Erläuterungen.

müsste im Jahre 1350 wenigstens neunzig Jahre gezählt haben, undmehr, wenn sie in den früheren Historien eine alte Frau genannt wer-den konnte. Es dürfte daher wohl eher in dem Taufnamen des Bi-schofes, als in dem bekannteren des Bisthumes ein Irrthum verborgensein, und zwar einer der in Handschriften so häufigen, welche ent-standen sind durch falsche Auflösung einer Initiale oder Abkürzung.Denn wenn wir annehmen, dass anstatt des vollen Namens nur derBuchstabe B. gestanden habe, so wird dieses am richtigsten zu er-klären sein durch: Burchard III., welcher vom Jahre 1307-1325Erzbischof von Magdeburg war. Dieser war Edelherr von Querfurtaus dem Hause Schrapelau, von der Linie Lappe, welcher von demHause gewöhnlich benannt wird. 1) Ein solcher Irrthum lag dem Ver-fasser unseres Textes um so näher, da die Namen Bruno und Bur-chard nicht nur beide im Querfurtischen Stamme sehr häufig waren,sondern jener der ihm bekannteste Name war. Der letzte Graf vonQuerfurt, Bruno, war mit seinem Sohne Bruno und Enkel Gebhard1495 und 1496 der Pest erlegen und dadurch dieses Grafenhaus ganzausgestorben, wodurch die Herrschaft Querfurt an das Stift Magdeburgfiel. 2) Aber auch die folgende Bemerkung wird für Magdeburg undBurchard entscheiden. Sämmtliche deutsche Texte nennen zu Anfangunserer Erzählung den Greuenftein und, mit Ausnahme der Aus-gabe vom J. 1519, wiederholen hernach diesen Namen. Diese aberbenennt an der zweiten Stelle den Ort Gevenckenftein, worin dieniedersächsische Bezeichnung der Burg Giebichenstein nicht zu ver-kennen ist. Die sämmtlichen übrigen deutschen Texte, einschliesslichdes Cölner und Augsburger, haben also, nachdem sie das irrige Gre-venstein nachgedruckt hatten, geglaubt, das ihnen unbekannte Geve-kenstein mit Hülfe des getreuen Johann Ballhorn verbessern zu müssen.Dagegen haben die Antwerpener und die älteren französischen Textedie Erwähnung des Grevensteins zu Anfang der Geschichte unterlas-sen und haben an der späteren Stelle die verstümmelten Namen:Genesteyt, Genequestein, Geuequestein. Während wir nun in der inder in Rede stehenden Gegend eine Burg Grevenstein nicht nachzu-weisen wissen, ist es bekannt, dass Giebichenstein den Erzbischöfenvon Magdeburg schon frühe zugefallen war. Erzbischof Dietrichwar es, welcher 1363 zu Giebichenstein eine neue Brücke über dieSaale legen liess und das damals verfallene Schloss wiederherstellte.Auch ist von den Erzbischöfen Ernst, Friedrich, dem daselbst 1475verstorbenen Johann bekannt, dass sie häufig auf Giebichenstein Hofhielten. Die beste Bestätigung für meine Meinung, dass vom EB.Burchard III. die Rede ist, liegt darin, dass wir ihn als einen Mann

1. Hoffmann Geschichte der Stadt Magdeburg. Hübener genealogischeTabellen. Nr. 335. 2. S. Abel's Chronik des Fürstenthumes Halberstadt S.447.