Rendena'er Typus.
Heimats- und Verbreitungsdistrict. Das obere Sarca- und Chiese- Thal( Hinter- Judi-carien) in Wälschtirol mit Val Rendena als Zucht- und Handelscentrum, von wo aus dieserRindviehschlag bis an den Gardasee und die untere Etsch( Lagarinathal) vorgedrungen ist.Ein zweites Stammrevier dieser Race liegt im obersten Nocegebiet( Val di Sole), währendsich die südlichen und westlichen Anschlüsse ausserhalb der tirolischen Landesmarken aufober- italienischem Boden im Sabbia- und Camonica- Thale
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befinden.
Grösse und Schwere. Die Körperentwicklung weist schwach mittlere Proportionenauf, indem die durchschnittliche Widerristhöhe bei Kühen mit 122'2 Centimetern, dieRumpflänge mit 142'2 Centimeter und das Lebendgewicht mit 315 Kilogramm fest-gestellt wurde.
Färbung. Hauptsächlich tiefdunkelkastanien- bis schwarzbraun mit lichtbraunen,beziehungweise grauröthlichen oder semmelgelben, manchmal auch silbergrauen, streifen-oder flächenförmig verlaufenden Übergängen längs der oberen und unteren Mittellinie desRumpfes, dann an der Umgebung des Nasenspiegels sowie des Euters, ferner auf derStirne, in den Ohrmuscheln und an der Innenseite der Extremitäten. Am Rücken heben sichdiese Lichtungen der Körperfarbe meistens mit ziemlich deutlicher Contour vom dunklenGrunde des Haarkleides ab, wornach also in der Regel am Kopfe ein sogenanntes Rehmaul,auf dem Rücken ein Aalstrich und zwischen den Hörnern ein heller Stirnschopf vorhandensind. Tiefdunkelbraun oder braunschwarz gefärbte Individuen zeigen öfters an einzelnenStellen, insbesondere in der Euter- und Nabelgegend, sowie an und zwischen den Unter-beinen, auch milchweisse Flecken, denen übrigens als eine bei Braunvieh allgemein wahr-nehmbare Erscheinung keine weitere Bedeutung zukommt. Flotzmaul, Zungen- undGaumen- Oberfläche sind dunkelgrau bis blauschwarz pigmentirt, Hornspitzen, Klauen undSchweifquaste fahlschwarz, während die äussere Haut gewöhnlich zur Gänze schiefergraugefärbt zu sein pflegt.
Körperform. Kopf zufolge grosser Stirnbildung und geringer Wangenbreite kürzererscheinend, als er nach dem Ausmasse sich zeigen sollte, zwischen den Augen breit undleicht eingesenkt, im Profilquerschnitte geradlinig begrenzt. Gesammteindruck recht gefällig.Stirnwulst kräftig und gut behaart, Hörner walzenförmig, ziemlich kurz, weitständig, mitnur wenig nach vorne und oben gewendeten Spitzen; Ohren gross, gut gestellt, in derMuschel mit langen, weichen Flotzhaaren besetzt.
Hals von etwas mehr als mittlerer Länge, häufig mit vielen feinen Hautfalten sowiereichlichem Trielbehang ausgestattet, am Kehlgang ohne merklichen Absatz an den Kopf
anschliessend, was die scheinbar bedeutende Tiefe( Dicke) des letzteren im Ganaschen-winkel hervorruft und auch den Hals voller aussehen macht, als er ist.
Rumpf im Ganzen recht ebenmässig und bei aller Gracilität der Gesammtfigur dochgenügend kräftig entwickelt. Brust von ansehnlicher Breite und Tiefe, nur hinter denSchultern und am Widerriste häufig etwas schmäler. Mittelhand nach Länge und Umfangverkürzt, insbesondere ohne grössere Bauchweite, Hintertheil dagegen im Becken sehrgeräumig, mit normalbreiten, gerundeten und geschlossenen Hüften; Rücken und Lendenlang und fleischig; Kreuzlage und Schweifansatz nicht unschön; Schweif mittellang, ziemlichdünn, mit langhaariger Quaste.
Gliedmassen über mittellang, von feinem, dichtgefügtem Knochenbau mit dauer-
haften Klauen.
Haut weich und geschmeidig.
Haar kurz, fein, glänzend, seidig weich und glatt.
Euter ziemlich hoch und lang, mit gleichmässig entwickelten Vierteln. Die Ansatz-stellen der Zitzen umschliessen ein Quadrat.
Nutzeigenschaften. Äussere Form und innere Organisation sprechen in gleicherWeise für das hervorragende Milchproductionsvermögen des Rendenaviehschlages,welches trotz der in den Stammbezirken herrschenden, recht frugalen Ernährungsweise undsorglosen Pflege daselbst jährlich immerhin das dreieinhalb- bis vierfache Körpergewichtder Melkthiere( 1100 bis 1250 Kilogramm) an Milchertrag gewährleistet. Bei opulentererFütterung und rationeller Behandlung der Kühe sind Jahresmelkungen bis zum sechs- undsiebenfachen Lebendgewicht( 1900 bis 2200 Kilogramm) erzielbar. Milchqualität gut,Lactationsfähigkeit lang andauernd. Mastfähigkeit im Allgemeinen gut, Zugtaug-lichkeit der leichten Schlagform angemessen. Im Übrigen vergleiche man die Schilderungder Züchtungs-, Haltungs- und Nutzungsverhältnisse dieses Typus im vierten Hefte desI. Bandes des Werkes über die österreichischen Rinderracen, Wien 1889.
Bezugsquellen und Preise. Innerhalb des engeren Heimatbereiches des Rendena'erHornviehes bieten der am 24. September zu Condino, der am 29. September( St. Michaels-tag) in Pinzolo, am 1. October in Preore, dann am 6., 7. und 8. October zu S. Giustina inCreto( Pieve di Bono) stattfindende Markt, sowie die an den drei letzten Mittwochen desOctober zu Tione abgehaltenen Märkte eine grössere Auswahl werthvoller Racethiere. Derin Napoleons d'or( Zwanzig- Francsstücken) gangbare Preis für Kälberkühe und hochtragendeKalbinnen( Mittelware) bezifferte sich im letzten Quinquennium auf 13 bis 14 Napoleons d'orper Stück. Junge Racestiere kosteten 10 bis 15 Napoleons d'or.