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Heinrich Bebels Schwänke. zum l. Male in vollst. Übertr. hrsg. von Albert Wesselski
Entstehung
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Seite 8

Wien, Samstag

etoft

31. tarz 1934

Jer. 88

späterhin zu wünschen übrig ließen, forderten die Gläu- 180.000 Gulden an den Staat nachzulassen, diese Summe| über dem Acker stieg jubilierend die Lerche. Der Posaunen-biger immer stürmischer ihr Geld, wozu noch der schwerempfundene Verlust der drei Schiffe kam. Tas Miß-trauen der um ihr Geld bangenden Reute ging so weit,daß sie Bolts, der 1784 eine neuerliche Reise nach Ost-afien anzutreten beabsichtigte, erst nach langwierigen Ver-handlungen absegeln ließen.

1785 war der Zusammenbruch der Gesell-schaft unvermeidlich geworden. Der Kaiser befahlzwar, Bolts die noch immer nicht beglichene Schuld von

bildete aber anscheinend nur einen kleinen Bruchteil derVerpflichtungen der Kompanie. Der Bankrott wurdeberhängt, die Schiffe wurden teils mit Verlust verkauft,teils ihren Eigentümern zurückgestellt; das Unternehmen,das unter günstigen Auspizien begonnen hatte, fand einklägliches Ende.Kaiser Josef hatte mit seiner schon zehn Jahre vorher gehegten trüben Ahnung recht behalten.Theodor Braun.

Im Banne der Wiener Musik.

Von Baron Erik v. Fersen.

bag des Gastwirtes Es ist angerichtet!" unterbrach unserbeschauliches Erleben des Maienmorgens. Als wir denersten Schritt auf die Terrasse setzten, schlug die großeTrommel los. Der Deutschmeistermarsch tönt hinaus inden taufrischen Morgen, in die lachende, singende Natur.Hammerling spielt, ein Wiener Kind, ein Deutschmeistermit seinen Wiener Musikern. Doch wir blieben nicht allein,eine unsympathische Gesellschaft von Fremdlingen erschien,die unser Privatfrühkonzert störte. Eine furze Konferenzmit Herrn Hammerling endete mit dem Beschluß. solangeden Deutschmeistermarsch zu spielen, bis sich die Gesellschaftentferne. Gesagt- getan. Wir beobachteten den feindlichenTisch, sehen die erwartungsvollen Mienen, wenn Ham-merling das Zeichen zum Beginn gibt, bemerken das ersteMal eine gewisse Enttäuschung, stellen das zweite Malschon eine Entrüstung fest, fühlen feindliche Blicke, abersehen feinen Erfolg. Anderthalb Stunden dröhnt derDeutschmeistermarsch durch die Föhren. bis sich der ge-Aus dem Schilfdickicht tönt von Zeit zu Zeit der| In das fleine südrussische Steppenstädtchen schlagene, vernichtete Feind verzog; am nächsten TageRuf der Rohrdommel. Die ganze gefiederte Bevölkerung Elisabethgrad führte mich mein Weg, ermüdet fannte ganz Reval den Marsch und Herr Meier, der Wirt,der Lucht, so nennt man diesen bezaubernden Winkel der hatte ich mich im Hotel Mariani" zu Ruhe gelegt und freute sich über den wachsenden Zustrom an Gästen.Der Zufall wollte es, daß wir ein Jahr später wiederweiten Mazalbucht der Ostsee, hat sich längst zur Ruhe war schon im Einschlummern, als mich vertraute Klängebegeben, alle die Enten, Schnepfen, Austernfischer, See- weckten, die alten lieben Weisen aus der Jugendzeit, in Nömme einfehrten. Wieder lacht der Morgen, rauschenschwalben und Siebige und Möven, nur die Rohrdommel unten im Konzertsaal konzertierte die vortreffliche die alten Föhren, zwitschern und singen die WaldfängerHerr Hammerling und seine Wienerbergnügt sich eine Weile auf ihre eigene Art und Weise. Damenkapelle Vindobona", die sehr zum Aergernis der und Schwalben,den Deutschmeistermarsch wieder erscheinenWeit im Umkreis hört man durch den stillen Maienabend örtlichen Stadtmusici sich einer allgemeinen Anerkennung spielendamals. Wir hören, wieden tiefen Baß des ehrsamen Sumpffängers und es und Beliebtheit erfreute. Als nach Schluß der Saison die unsere Widersacher vonwurde einemöchte beinahe scheinen, als ob er den Wiener Walzer- Kapelle zur Heimreise rüstete,glänzende sie nach Herrn Meier rufen und hören die empörte Frage:weisen lausche, die in vollen Akkorden durch die offenen Abschiedsfeier veranstaltet, mit Blumensträußen und Ja, sagen Sie, Herr Meier, sind diese Herren wirklichSaalfenster hinausklingen in den Abendfrieden, als ob einer Bowle( faukasischer Kognak und Donchampagner, noch vom vorigen Jahr da?" Sprachen es und verschwan-er sich anstrenge, endlich in den richtigen Taft des halb und halb). Die große Pause benutzten wir zu einem den, ihnen zum Geleite dröhnte neuerdings der Deutsch-Schabernack, der dortzulande zu dem eilernen Bestand meistermarsch.einer jeden würdigen Abschiedsfeier gehört, wirtauschten alle Noten und stimmten sämtliche Instrumenteum. Nach der Pause, die Bowle war bereits aufgetragenworden, nahmen die Damen auf der Estrade wiederPlat, ergriffen, nichts Böses ahnend ihre Instrumenteund setzten auf das Zeichen der Frau Kapellmeister miteinem ganz fürchterlichen Akkord zum Walzer An derEinen Augenblick nurschönen blauen Donau" an.herrschte eine Verwirrung, dann hatten die Damen dieSituation erfaßt, den Ton gefunden, die Instrumentegestimmt und der herrliche Straußwalzer strömte durchden Saal.

,, Schönbrunner"-Walzers einzufallen.

Vom zartem Blütenduft umwoben, getragen von denlockenden, schmeichelnden Tönen der Wiener MeisterLanner und Strauß schweben die unvergeßlichen Bildereiner sonnigen Kindheit so nahe, so greifbar nahe unddoch so ferne, in buntem, fröhlichem Reigen dahin, leicht-beschwingt, wie Frühlingshauch, lächelnd wie goldenerSonnenschein. Lanner und Strauß, auf dem weiten Wegin die große und fremde Welt, gaben sie dem kleinenBuben im Matrosenhemd und blauen, furzen Höschen dasGeleite in die Wirrsale und Wechselfälle des Lebens.Ein Zipfelchen vom Siegeszug der Wiener Weisen durchdas versunkene Rußland, durch die baltischen Landefonnte so auch ich miterleben.

Jm überfüllten Börsensaal der Großen Gilde inReval singt das Udelquartett, mit stürmischem, nichtendenwollendem Beifall dankt das Publikum für jedeDarbietung der Wiener Gäste und als Professor UdelDas hat kein Goethe g'schriebn, das hat kein Schillerdicht" zum Vortrag bringt, bricht ein Begeisterungs-sturm los, wie ihn der alte Börsensaal noch nie erlebthat, das Publikum tobt, flatscht Beifall, jauchzt, immerund immer wieder muß Udel erscheinen. Als es bekanntwird, daß die Herrn vom Quartett zu einem Abendessengeladen sind und sie Schluß machen müssen, um pünktlichzu sein, da regnet es bitterböse Worte über den un-schuldigen Gastgeber. Das Udelquartett gab für langeZeit Thema und Gesprächsstoff für das musikalischeReval, in der Schule und auf der Gasse, im Amt undim häuslichen Heim summte man Wiener Melodien.Mein Freund, der Hanny, komponierte einen Udelmarsch,den er nach Wien sandte. Am Stammtisch im Russen"ftritt man sich um die Ehre, Wien am besten zu kennenund wer die Kaiserstadt nur vom Hörensagen kannte,mußte ausführliche Referate über sich ergehen lassenüber den Unterschied zwischen einer Krachmandel" undeinem Kracher!" oder den meisterhaften Wiener Lieder-vortrag unseres Serenissimus" anhören, der zwei Jahreangeblich an der Universität studiert hatte und den,, unverfälschten Wiener Dialekt" zu beherrschen vorgab.

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( Radbrud verboten.)

Das Schiff im Finstern.

Roman von H. Stacpoole.Autorisierte Uebertragung ins Deutsche von Dr. L. v. Herget.

Wir kommen", sagte van Dyne,., in einer geschäft-lichen Angelegenheit und zwar betrifft es Juwelen, diewir unterbringen möchten. Ich bin selbst Händler, meinName ist Cornelius van Dyne, und mein Geschäftshausist in Malacca. Ich befasse mich in der Hauptsache mitPerlen."

Ich kenne Sie," sagte Kong, mit dem eigenartigenchinesischen Tonfall sprechend. Sie waren geschäftlich mitHerrn Klooft assoziiert."überrascht und er-., Mynheer Klooftund ich führe das

,, Ganz recht," sagte van Dyne,freut, daß Kong ihn wiedererkannte.ist gestorben, wie Sie wohl wissenGeschäft weiter."

Ihre Firma ist in unseren Büchern," sagte Kong.,, Als ich Herrn Jensens Karte bekam. ließ ich die Bücherüberprüfen, um mich über Sie zu informieren. Ich willehrlich Ihnen gegenüber sein wir befassen uns nur mitGeschäften, wenn wir Gewißheit haben, mit wem wir Ge-schäfte machen. Ich habe mich über Sie informiert undfreue mich nun, zu hören, was Sie mir zu sagen haben."Das war eigentlich deutlich, aber van Dyne ließ sichnicht beirren.

Ja, so möchte ich es auch gerne halten", sagte er,,, und ich will ganz ehrlich gestehen, daß auch ich überzeugtbin, daß, wenn wir unsere Angelegenheit in die HändeIhrer Firma geben, wir aufmerksame Behandlung ge-nießen werden. Auch daß die Angelegenheit, die ich ebenvorbringen will. Ihrerseits durchaus vertraulich behandeltwird."Kong, der seine drei Besucher bei ihrem Eintrittprüfend angesehen hatte, schätzte sie nun in Gedanken ab,zählte die Summe zusammen, rechnete die Attachémappenoch ein dann verneigte er sich leicht über dem Pult.Er wußte nur zu gut, daß irgendetwas sehr Wert-voles ihm zum Verkauf angeboten werden sollte mög-licherweise Juwelen, da van Dyne Perlenhändler war.

..Nichts von dem, was in diesen Räumen gesprochenwird, dringt je in die Deffentlichkeit", sagte Song, das istnatürlich Geschäftsinteresse. Aber es steht in Ihrem Be-lieben zu sprechen."

ber-

,, Wien bleibt Wien",

In den ersten Jahren unseres Jahrhunderts feiertedie Wiener Musik in Rußland ihre größten Triumphe, dieWiener Operetten eroberten im Sturm die großen Städte,Petersburg und Moskau lebten im Dreivierteltakt, wennbor ausverkauftem Hause Betty Stojan oder Mizzi3werenz in Wiener Blut" auftraten. Auch die Märschefanden ihren Weg nach Rußland.Hoch Habsburg" und" Unter dem Doppeladler" spieltenalle Regimentsorchester der alten Armee. besonders be-liebt und populär war der Doppeladlermarsch, der allge-mein für einen russischen Marsch galt, da ja das russischeReichswappen auch den Doppeladler führte. Nur derDeutschmeistermarsch war merkwürdiger-weise unbekannt, nur ein lustiger Zufall führte ihnein. Wir waren unser drei, alte Klassentameraden ausDer Ritter- und Domschule, die in Reval ein Wiedersehenfeierten. Die helle nordische Frühlingsnacht lockte in dasFreie, nach Nömme, dem beliebten Ausflugsort derRevalenser. An der großen Poststraße, die sich durch denFöhrenwald schlängelt, liegt das Gasthaus mit seiner ge-deckten Veranda, die den ganzen Bau umrahmt und einigeMinuten Weges weiter bietet sich von der Sanddüne einbezaubernder Blick auf Reval und das Meer. Wir hattenuns gelagert und genossen den Morgen, die erſtenStrahlen der Sonne glitten über die alte Stadt, weit imWald rief der Kuckuck, die Buchfinken schlugen und derSpecht beflopfte seine Baumstämme, durch die klare Luftstrichen die Schwalben, tänzelten die Falter und unten

Van Dyne sah seine Begleiter an. Cray nickte. Es wareine Atmosphäre von Verschlagenheit und Hochfinanz umKong, die ihn sicher machte. Rong war zu gewaltig, umeine schmußige Sache zu machen, und wenn er Still-schweigen versprach, so konnte man es ihm glauben; ander-feits würde er natürlich Vorteil aus ihrer Lage ziehenund sie soviel als möglich bei dem Verkauf hereinlegenwenn er überhaupt darauf einging.

-

Also gut," sagte van Dyne. Wir sind gekommen.um Sie zu fragen, ob Sie Juwelen faufen wollen. DieseEdelsteine gehörten dem Vater dieser Dame, er ist gestorbenund

Kong hob die Hand.

., Sie tamen, um mir Edelsteine zu zeigen", sagte er,zu dem Zwecke, daß ich sie kaufe. Zeigen Sie sie mir. Ichhabe keine Zeit."

Van Dyne legte die Mappe auf den Tisch und öffnetesie. Dann fing er an, den Inhalt herauszunehmen. Alssie die Steine im Hotel einpackten, hatten sie zum Einwickeln ein altes Zeitungspapier benüßt; und Kong sahjetzt, wie der große Rubin, den wir schon kennen.einem Stück der Sandabar- Börsen- Gazette herausgenom-men und auf den Tisch gelegt wurde, wo er wie ein far-moisinrotes Licht erstrahlte.

aus

Er sah die Saphire und die Smaragde und all dasübrige dieser eigenartigen Auswahl langvergessener undverlorener Edelsteine, zuletzt die Perlenschnur.

Er berührte sie. nahm sie an sich und befühlte diePerlen, dann sagte er: Diese Sachen sind zweifellos echt,aber sie stammen nicht von heute. Dies da", er nahm einemit Diamanten beseße Brosche hoch, beweist mir das.Habe ich recht, wenn ich sage, daß Sie diese Dinge gefun-den haben?"

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Er sah merkwürdig aus. Rong übergab ihm diePerlenkette er 30g aus der Tasche eine Lupe und stecktefie ins Auge. Dort blieb sie, während die Edelsteine Stückfür Stück ihm zugereicht wurden.

Während er jedes Stück prüfte, sprach er mit Rong.Chinesisch, und Kong schrieb Zahlen auf ein Streifchen

Papier.

Rein Raut war in dem Zimmer zu hören, nur dasTicken der Uhr und gelegentlich ein wirres Gemurmel, dasvon der Hooftstraße fam, mit dem jeweiligen Luftzug an-schvoll oder abnahm.

Kong wollte offenbar ein Angebot machen und ar-beitete an einem Ueberschlag. Das dauerte eine halbeStunde.

Als er damit zu Ende war, zog sich der Lahme zurückKong setzte sich die Brille auf seiner Nase zurecht, blicktenoch einmal über das lange Abschäßungspapier, auf demoffenbar die Summen standen, und sagte dann: DerfünfundzwanzigKaufwert Ihrer Edelsteine wird rundtausend englische Pfund sein."

,.Das ist ja die Perlenkette allein wert," murmelteMynheer van Dyne.Rong fuhr fort: Ich rechne den Reingewinn aufseiten des Käufers mit ein, der ja das Risiko auf sichnehmen muß, das untrennbar mit Juwelen verbundenist, deren Geschichte man nicht fennt."

Ich will Ihnen ganz ehrlich sagen, daß uns diesesAngebot nicht genügt," sagte van Dyne, in dem derHändler erwachte. ,, Die Geschichte ist durchaus in Ordnungund braucht nicht den Wert zu vermindern."

., Mag sein." sagte Kong. Ich bin überzeugt, was Siefagen, ist wahr dann müßte Ihnen der Händler natür-lich mehr geben."

Ja wenigstens-," Cray wollte etwas sagen. ,, Wenn Sie mir gestatten", sagte van Dyne,., michmit meinen Freunden einen Augenblick zu beraten, willaber Kong unterbrach ihn.eine vollständige,, Es ist ganz unwichtig," sagte er.,. Wünschen Sie zu ich Ihnen mit ihrem EinverständnisErklärung über die Sachen geben."verkaufen?"

" Ja."

Schön", sagte Kong, wir wollen darüber sprechen."Tür. Kong hat ihn offenbar gerufen, indem er auf einenTür. Kong hat ihn offenbar gerufen indem er auf einenverborgenen Klingelfnopf gedrückt hatte.

Kong sagte etwas auf Chinesisch zu ihm, der Dienerging hinaus, fam nach einer Minute ungefähr mit einemfleinen, alten Mann wieder, der auf Krüden herein-schwankte.

Diesem Wesen wurde ein Stuhl am Tisch angeboten.

Ich habe keine Zeit." sagte Kong. Aus Höflichkeitfür meinen Freund Mynheer Jensen habe ich die Sachen,die Sie mir gebracht haben, angesehen und ihren Wer:geschäßt ich kann nicht mehr tun."

,, Was? Sie sind nicht gewillt, zu kaufen?"

., Gott, nein," erwiderte Rong. Ich kaufe Juwelenselten, fast niemals und nur von Leuten, die ich persönlichfenne; diese aber würde ich bestimmt nicht kaufen."Das war ein Faustschlag.

( Fortsetzung folgt.)