Volkskunde/ Volkskultur zwischen Pflege und Kulturarbeit
alter Volkskulturschätze war gekommen, des Denkmalschutzes, desVolksliedschutzes, des Heimatschutzes und des Volkstumsschutzes. Eswar ein Kampf wider die Technisierung, die Industrialisierung, wider denAusverkauf alter Möbel, geschnitzter Madonnen.
In der Phase des unbedingten Rettens, Konservierens, Pflegens ist einweitaus überwiegender Teil der heutigen Verbände der Volkskultur stek-ken geblieben.
Damit läßt sich keine Gegenwelt herstellen. Damit bleiben aufklärerische,fortschrittliche, emanzipatorische Bewegungen im Sinne von Büchner undHans Kudlich und sogar von Erzherzog Johann und erst recht von MichaelGaismair auf der Strecke.
Die Organisationen und Gruppen der Volkskultur- Praxis könnten nachfolgenden Kriterien beurteilt werden, ob sie
a) die traditionelle Funktion
b) die didaktische Funktion
c) die innovatorische Funktion wahrnehmen.
Es besteht kein Zweifel, daß der überwiegende Teil der Volkskulturpflegein bester Absicht Tradition möglichst„ sauber“,„ unverfälscht“, korrektund werkgetreu bewahren will.
Aufgabe der dafür geschaffenen Organisationen mag es sein, diese fürsie zu konservierenden Werte in der Aus- und Weiterbildung möglichstwerkgetreu, vielleicht sogar„ authentisch“ weiterzuvermitteln. Dabeisollten möglichst viele Menschen teilnehmen können. Hohe Virtuosität,sozusagen gipfelnd in Rundfunkreife, sollte alle diese Dreigesänge, Stu-benmusiken, Bläser, Geiger und Tänzer in die elitärsten Stuben volklicherSauberkeit führen. Nur ja kein kritisch- politisches Lied, keine Unsauber-keit! Und vielleicht als Krönung den tirolischen Latschenzweig in Goldfür volkskulturelle Perfektion mit dem Goldstaub von hundert Jahren aufder Gretlfrisur. Es mag sein, daß diese didaktische Funktion an erster Stellesteht bei fast allen Verbänden im Forum Volkskultur.
Sehr selten ist die innovatorische Funktion, ist die wirklich fortschrittlicheAktion. Und noch seltener ist die Widerständlichkeit gegen neue Unter-drückung, gegen Landschaftszerstörung, Ausländerhaẞ massentouristischeBrutalitäten.
Wo, das frage ich die hehren Heimatschützer in den Heimatvereinen undHeimatschutzverbänden, sind sie, wenn mehr als hundert Tiroler Bürger-initiativen gegen den lebens- und existenzbedrohenden Transit kämpfen,
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