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Volkskunde in Österreich : Bausteine zu Geschichte, Methoden und Themenfeldern einer Ethnologia Austriaca
Entstehung
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Vom Heiligenbild zum Fernsehprediger

zinger fest, daß es sich bei dem 700- Seiten- Werk nicht um ein Handbuchder Theologie, sondern um einen Text zur katechetischen Vermittlunghandle. Ziel sei, eine allgemein gültige sprachliche Form der Glaubenslehreanzubieten. Einzelne Passagen seien leicht auswendig zu lernen...

Die Alltagsreligiosität der älteren Generation war nicht unbedingt mit dervon den kirchlichen Amtsträgern empfohlenen identisch. Teils hielten sichvorkonziliare Gewohnheiten, teils wurden neue Zugänge gefunden. Vieleältere Menschen verfolgten wach und kritisch die Entwicklungen in derAmtskirche. Sie hatten gelernt, zwischen Glaube und Religion einerseitsund der hierarchischen Institution Kirche andererseits zu differenzieren.Die Diskussion um das eucharistische Geschehen hatte drei Kristallisa-tionspunkte: Meßfeier, Erstkommunion und Fronleichnam. Von diesemeinst ebenso fälschlich wie häufig als höchstes Fest des Kirchen-jahres angesehenen Ereignis wurden hauptsächlich Äußerlichkeiten er-innert. Beim häufigen Kommunionempfang hat sich das nachkonziliareVerständnis durchgesetzt. Mund- oder Handkommunion und Frauen alsKommunionspender sind in dieser Pfarre keine kontroversen Themen.Übertriebene„ Ehrfurcht“ wurde als überholt angesehen. Die Seniorenerlebten ihre Erstkommunion eher bedrückend als beglückend. Als Kinderhatten sie weniger„ Sehnsucht nach Jesus“ als Höllenangst wegen einer,, Sünde", die im Zerbeißen oder Klebenbleiben der Hostie oder in derÜbertretung des Nüchternheitsgebots seit Mitternacht bestand. Starke Er-innerungen verbanden sich mit Äußerlichkeiten wie dem weißen Kleid, derKerze oder der Jause. Eingelernte Mißverständnisse belasteten jedoch dasSakramentenverständnis bei Beichte und Krankensalbung( vulgo„ letzteÖlung“). In der christlichen Lebensorientierung wurde der Begriff derSünde betont. Angst vor einer Strafe Gottes wirkte oft stark nach.

Der Glaube alter Menschen erscheint bisweilen kindlich. Er wurde nebender persönlichen Erfahrung durch Erziehung, Vorbilder, Religionsunter-richt, Predigt, kirchliche Druckschriften, Sprüche und Liedertexte geprägtund nur von einzelnen reflektiert. Aber er erwies sich in Lebenskrisen alstragfähig.

Alte und neue Bräuche

Mein Projekt„ Alte und neue Bräuche in Wiener Pfarren“ beschäftigtsich mit dem Segment der religiösen Rituale in der Liturgie und in pfarr-lichen Gruppen der katholischen und evangelischen Kirchen in Wien.Nach der ersten Phase 1990/91 wurde 1997 ein Vergleich ermöglicht.1990/91 antworteten 96,7% der katholischen Pfarren im Stadtvikariat,

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