Burkhard Pöttler
Während für die Wohnforschung der gesamtheitliche Ansatz wichtig ist,bildet die Untersuchung von einzelnen Ausstattungsstücken den Übergangzur Möbel-, Geräte- und Volkskunstforschung. Daß auch hier verschieden-ste Zugänge- z. B. typologische und funktionalistische – möglich sind,braucht nicht weiter betont zu werden.
Das bürgerliche Wohnen findet seinen Niederschlag vereinzelt zwar auchim Rahmen der Volkskunde( vgl. Sammer 1968, 1970; Moser 1975a; Ko-schier 1984), insgesamt ist es in Österreich jedoch stärker bei der Kunst-geschichte und Geschichte verortet, wie auch die Bürgerhaus- forschungkaum im Rahmen der Volkskunde betrieben wird. Diese Trennung, dieaus der Entwicklung der einzelnen Wissenschafts- disziplinen und ihrer jeeigenen Präferenzen zu erklären ist, ist insgesamt natürlich verhängnisvoll,sind doch die Übergänge zwischen bäuerlichem und bürgerlichem Wohnenund Bauen teilweise äußerst fließend, und auch die adelige Wohnkulturhat- mit einiger Verzögerung- einen wesentlichen Einfluß auf das Bauenund Wohnen der unteren Sozialschichten genommen.
Ausgehend von der interdisziplinär ausgerichteten Arbeiterkulturforschungentwickelte sich ein neuerer Bereich der Wohnforschung, der sich vorwie-gend mit dem städtischen Wohnen in Mietshäusern und Arbeiterquartierendes 19. und 20. Jahrhunderts beschäftigt, wobei immer stärker auch dieAspekte der kommunalen Planung, der genossenschaftlichen Organisationund so weiter eine Rolle spielen( vgl. z. B. Kepplinger 1989).
Eine historisch orientierte Wohnforschung kann aber nicht beim überlie-ferten Objekt haltmachen, sondern muß, wie auch die historisch orien-tierte Hausforschung, schriftliche und bildliche Quellen mit einbeziehen.Dazu zählen nicht nur Schilderungen der Wohnsituation im Rahmen vonReisebeschreibungen, sondern auch verschiedene administrative Quellenwie Physikatsberichte oder Verlassenschaftsinventare, die teilweise sehrgenaue Aufschlüsse über die Wohnverhältnisse und die Ausstattung vonWohnhäusern geben können. Diese seriellen Quellen eignen sich auchbesonders für eine rechnerunterstützte Analyse( B. Pöttler 1991, 1992).Wesentliche Ergänzungen zum Problem der Rauchstube konnte OskarMoser aus der Untersuchung der Ehrungsbücher des Klosters St. Paul imLavanttal erarbeiten( Moser 1977).
3.2. Gegenwartsorientierte Wohnforschung
Wie Elisabeth Katschnig- Fasch konstatiert, wurde der Bereich des Woh-nens trotz seines zentralen Stellenwertes für das menschliche Dasein im
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