Vom Bauernhaus zur Wohngemeinschaft
Geramb war, ähnlich wie etwa der deutsche Hausforscher Bruno Schier,der das Hauptgewicht seiner Untersuchungen auf die analytischen Detailsund die Mischformen( besonders zwischen dem osteuropäischen Kultur-kreis auf„ ostgermanisch- slawischer“ und dem mitteleuropäischen auf,, westgermanischer" Grundlage) richtete( vgl. Schier 1932), kein Vertretereiner reinen Stammestheorie, sondern stand eher einer„, Substrattheorie"( Bedal 1993, 14) nahe, die das ethnische Element zwar sehr betonte,jedoch keinen direkten Zusammenhang zwischen„ Volkszugehörigkeit"und Bauformen herstellte.
Einen stärker„ stammesmäßig“ dominierten Zugang zur Hausforschunghat hingegen Adolf Helbok, der mit seinem Aufsatz vom germanischenUrsprung des oberdeutschen Bauernhauses( Helbok 1925), wie auch mitanderen Arbeiten zur Haus- und besonders zur Siedlungskunde eine Sichtbietet, die seinem späteren Engagement während der NS- Zeit entspricht.Dennoch muß auch hier betont werden, daß diese Betrachtungsweisekeinesfalls singulär war, sondern- wie auch in anderen Bereichen, nichtnur der Volkskunde – zeitspezifisch noch bis in die vierziger Jahre, wosie einen traurigen Höhepunkt erfährt.
2.4. Hausforschung während der NS- Zeit
Eine besondere Rolle spielte die Hausforschung im Dritten Reich nichtzuletzt wegen ihrer starken Verbindung zur Siedlungsgeschichte und demdarauf begründeten Anspruch auf den Besitz gewisser Regionen. Die großangelegten Dokumentationsprojekte, die dann durch den Zweiten Welt-krieg meist abgebrochen wurden, sind deshalb auch in ihrem Quellenwertfür die heutige Hausforschung kritisch zu hinterfragen, wie es z. B. OlafBockhorn für die Tätigkeit der Arbeitsgruppe„ Bauernhausaufnahme“ inder Gottschee getan hat( Bockhorn 1994a).
In der seit den dreißiger Jahren im Rahmen des NationalsozialistischenBundes deutscher Technik groß geplanten, aber bis 1945 nicht über denersten Band hinausgekommenen Reihe Haus und Hof deutscher Bauern( hg. von Gustav Wolf) sollte auch Österreich bearbeitet werden. So wurdeetwa für den Band Steiermark und Kärnten 1942 Viktor Geramb als Bear-beiter eingeladen. Ab 1944 arbeitete der NS- Bund mit der ForschungsstelleDeutscher Bauernhof des zum Amt Rosenberg gehörigen Instituts fürdeutsche Volkskunde zusammen, konnte jedoch auch so keine weiterenBände mehr herausbringen( vgl. Eberhart 1994, 536f.).
Daß die rückwärts gewandte Suche nach dem„ Urhaus“ auch sehr direktin eine gegenwartsorientierte Architekturpflege münden konnte, zeigt etwa
157