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Volkskunde in Österreich : Bausteine zu Geschichte, Methoden und Themenfeldern einer Ethnologia Austriaca
Entstehung
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Burkhard Pöttler

2.3. Die Zwischenkriegszeit

Eine wesentliche Vorgabe für die Hausforschung besonders Kärntens,Salzburgs und der Steiermark schafft 1924 Viktor Geramb mit seiner Ha-bilitationsschrift Die Kulturgeschichte der Rauchstuben( Geramb 1924),der er den Titel, Kulturgeschichte" gibt, obwohl er sich damit für das FachVolkskunde habilitiert. Geramb stellt in dieser Arbeit, die den ersten Teileines auf vier Teile angelegten größeren Werkes darstellen sollte, unterAufnahme der im frühen 20. Jahrhundert sehr aktuellen Kulturkreisleh-re seine Theorie von einem osteuropäisch- slawischen Kochofen- undeinem westeuropäisch- germanischen Herdkulturkreis vor, die in einemÜbergangsgebiet die Besonderheit der ostalpinen Rauchstube ergeben.Das Wesentliche dieser Rauchstube ist u. a. die Doppel- feuerstelle ausoffenem Herd und Backofen, oft ergänzt durch einen Futterkessel; derRauch des Feuers sammelt sich etwa im oberen Drittel des Raumes undzieht dann in kaltem Zustand hauptsächlich durch eine Öffnung über derStubentür und einen hölzernen Rauchschlot ins Freie. Der Feuerstättemeist diagonal- gegenüber liegt die Tischecke mit den wandfesten Bänken,welche die Rauchstube von der Rauchküche als meist reinem Kochraumunterscheidet. Dazu kommen die beträchtliche Raumgröße und-höhesowie die umfassende Funktionalität, die vom Wohnen und Arbeiten biszur Unterkunft für Hühner und Kleinvieh reicht. Gerambs Theorie, dieheute in dieser Form als überwunden gelten kann, erregte schon 1924Widerspruch, und zwar durch Arthur Haberlandt, der unter dem gleichenTitel( Haberlandt 1924) Gerambs Ansätze teilweise widerlegt. Mittlerweilesind durch zahlreiche andere Arbeiten Elemente, die lange als typisch fürdie Rauchstube gegolten hatten, auch in anderen Gebieten nachgewiesen( vgl. z. B. Bedal 1972), sodaß die Theorie Gerambs von der Rauchstubeals Ergebnis der Überschneidung von germanischem und slawischemSiedlungsgebiet wohl endgültig unhaltbar geworden ist.

Schon 1925 behandelt Geramb Die geographische Verbreitung und Dichteder ostalpinen Rauchstuben, wobei er teilweise doch recht großzügigeSchätzungen der Verbreitung vornimmt. So ist etwa der Ausschluß dessteirischen Ennsbereichs aus dem Verbreitungsgebiet der Rauchstuben um1915 durch die späteren Arbeiten von Karl Haiding eindeutig widerlegtworden( vgl. Haiding 1972). Die Rauchstuben bleiben auch weiterhinein hauskundliches Hauptthema Gerambs, der noch in den fünfzigerJahren zwei weitere Arbeiten dazu veröffentlicht( Geramb 1950; Geramb1954).

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