Vom Bauernhaus zur Wohngemeinschaft
ten Bericht Bancalaris referiert Haberlandt in der vom 1894 gegründetenVerein für österreichische Volkskunde ab 1895 herausgegebenen Zeitschriftfür österreichische Volkskunde regelmäßig über den Stand der Hausfor-schung( Moser 1991, 343) und schon 1908 liefert Viktor von Gerambeinen neuen Überblick über den gegenwärtigen Stand der Hausforschungin den Ostalpen( Geramb 1908). Geramb berücksichtigt in diesem Aufsatzbesonders die Grundrißformen; zusammen mit seiner Arbeit über DieFeuerstätten des volkstümlichen Hauses in Österreich- Ungarn( Geramb1912) geht er damit weg von einer Typologie des Hauses als komplexerEinheit in Richtung einer analytisch arbeitenden Hausforschung.Neben den Arbeiten, die auf Einzelaspekte der Hausforschung eingehen,gibt es immer mehr zusammenfassende Darstellungen über regionaleEinheiten unterschiedlicher Größe, die zwar die Gesamtdarstellungenüber das„, deutsche Haus“( z. B. Henning 1882; Meitzen 1882) oder dasHaus in Österreich- Ungarn nicht völlig ablösen, aber doch wesentlichergänzen. Einerseits konnten durch die intensive Forschungstätigkeit dieErgebnisse nicht mehr so leicht für große Regionen zusammengefaßtwerden, andererseits erkannte man aufgrund der Detailforschung wohlauch, daß die großzügigen Konzeptionen, die in den ersten Überblicks-werken entworfen worden waren, einer detaillierten Untersuchung oftnicht standhalten konnten.
Hatten z. B. schon 1885 August Prinzinger d. Ä. über Haus und Wohnungim Flachgau und in den 3 Hochgebirgsgauen berichtet( Prinzinger 1885)und Johann Reinhard Bünker zahlreiche detaillierte Bestandsaufnahmenzum Bauernhaus in verschiedenen Kleinräumen der Monarchie von Ti-rol bis Galizien geliefert( vgl. z. B. Bünker 1907, 1914), so behandelten1897 Anton Dachler das Bauernhaus in Niederösterreich( Dachler 1897)und Viktor von Geramb 1911 das Bauernhaus in der Steiermark( Geramb1911), wobei zumindest bei Dachler die Suche nach den„ Ursprungs-formen“ eine nicht unwesentliche Rolle spielt. Dachler bietet aber aucheinen ersten kartographischen Überblick über die„ österreichischen Bau-ernhausformen“( Dachler 1909), der aufgrund des Kenntnisstandes derZeit aber noch lückenhaft bleiben mußte. Der Erste Weltkrieg bildet einenAbschluß dieser ersten doch recht produktiven Phase der österreichischenHausforschung.
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