Burkhard Pöttler
logisch arbeitenden Wohnforschung übernehmen, die Abdeckung diesesSpektrums durch einzelne Forscherinnen oder Forscher ist dabei jedochunmöglich. In der Praxis umfaßt volkskundliche Hausforschung in derRegel das Haus und das Hausinventar sowie die dazu gehörigen Tätigkeitendes Bauens und Wohnens, wobei das private und profane( in Abgrenzungzum öffentlichen und sakralen) Bauwesen im Mittelpunkt des Interessessteht( Baumhauer 1994, 97). Die Hausforschung ist überwiegend historischausgerichtet und auf Bauern- und Bürgerhaus orientiert, während bei derWohnforschung neben der historischen auch eine stärker gegenwartsori-entierte Richtung vorhanden ist. Mit dem Wandel im Baubestand, aberauch bedingt durch einen Paradigmen- wechsel im Fach, beschäftigt sichjedoch auch die Hausforschung im engeren Sinn immer stärker mit demgegenwärtigen Bauen und seiner Bedeutung für die„ Benützer“ dieserBauwerke. Neben den speziell hauskundlichen Einführungen( Bedal 1993,mit weiterer Literatur; Grossmann 1993) ist die Haus- und Wohnforschungals Kanonfach auch in den allgemeinen Überblickswerken zur Volkskundevertreten( Baumhauer 1994; Mohrmann 1994; Bedal 1987).
2. Hausforschung
2.1. Vorläufer der Hausforschung
Den Beginn der( volkskundlichen) Hausforschung in Österreich hat erst-mals Arthur Haberlandt dargelegt( Haberlandt 1952); aus neuerer Sichthat Oskar Moser sich mit der Geschichte der österreichischen Hausfor-schung beschäftigt( Moser 1991). Die vorwissenschaftlichen Anfänge derHausforschung sind demnach in der Reiseliteratur sowie besonders in deraufgeklärten Staatslehre und Ökonomik des 18. Jahrhunderts zu sehen,in deren Rahmen Betrachtungen des Baubestandes als Grundlage fürVerbesserungen durchgeführt wurden( Moser 1949; Koren 1949). Auchdie Fragebogenaktionen des frühen 19. Jahrhunderts oder die Aktivitätender Landwirtschaftsgesellschaften wandten sich u. a. dem Gebäudebe-stand ,, des Landvolks“ zu, ihre Operate und Berichte bilden so auchheute noch eine wesentliche Quelle der historischen Hausforschung. Zuden Beschreibungen von Häusern- vor allem als Grundlage für Verbes-serungen im Baubestandtrat auch der Wunsch, ausgewählte Objekteals Sammel- und Ausstellungsstücke zu besitzen bzw. vorzuführen. Diesführte sowohl zur Anfertigung von Modellen als auch zur Übertragungoriginaler Bauten, etwa 1873 bei der Weltausstellung in Wien. Diese Ent-wicklung sollte wenig später, 1891, zur Errichtung des ersten europäischenFreilichtmuseums in Skansen bei Stockholm führen( V. H. Pöttler 1984).
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