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Volkskunde in Österreich : Bausteine zu Geschichte, Methoden und Themenfeldern einer Ethnologia Austriaca
Entstehung
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Wolfgang Slapansky

der Mode, dem Film oder dem Sport. Ansatzweise wagte sich Schmidtsogar in den Bereich der Arbeiterkultur vor, indem er feststellte, daß dieIndustriearbeiter nun den wirklichen Grundstock des Wiener Volkes"bildeten( Schmidt 1940, 124). Deutlich formulierte Schmidt die auffälligenDefizite der volkskundlichen Großstadtforschung:

,, Der Reichtum des Erbes ist nicht zu verkennen. Viele Elemente des typischWienerischen sind in ihm erhalten, aber sicher ist dieses Erbe nicht erschöpft.Im Kern gehört dies alles nicht der Großstadt an, sondern nur der großen Stadt,also dem Dorf und der Barockstadt. Das Erbe hat den Blick der bisherigenGroßstadtvolkskunde jedoch nahezu restlos auf sich gezogen. Selbst aller-jüngste programmatische Arbeiten wie die von Otto Lehmann kommen imGrunde darüber nicht hinaus. Bei ihnen hat höchstens der Träger des Erbgutesgewechselt, und das Proletariat soll eine Art von anderem Bauerntum sein.Über diese Einstellung ist eigentlich nur Adolf Spamer hinausgelangt, der denNeuwuchs, das andere, gesehen hat, als Volksgut gesehen, während es bisherin tendenzhafter Weise nur als Fremdkörper betrachtet wurde und nicht inseiner Verbindung mit dem Großstadtmenschen, der es genau so besitzt, wiesein Ahne das städtische Gut besessen hat, das auch kein Bauerngut war. Hierliegt also das Kernproblem der Großstadtvolkskunde, hier wird alle weitereArbeit anzusetzen zu haben, und hier merken wir auch zutiefst, daß wir ganz amAnfang stehen, da selbst die begrifflichen Formulierungen des Problems sichnicht einstellen wollen und wir daher gezwungen sind, bei Randerkundungenund vorläufigen Aufschreibungen zu bleiben. Der Grund dafür mag wohl dersein, daß wir zum inneren Wesen des dynamischen Volksgutes einstweilennoch nicht vordringen können. Es ist der Unterschied zwischen der scheinba-ren oder wirklichen Statik im Volksgut von ungefähr tausend Jahren und derDynamik dessen, was wir in der Parteien Haß und Gunst verzerrt noch nichthundert Jahre lang vor uns haben.( Schmidt 1940, 99).

Schmidts zentrale These der überlieferten Ordnungen basierte auf derAuffassung nach echtem, da kontinuierlichem Kulturgut. Er versuchte,,, Fäden aus dem Erbe in ihrer neuen Gestalt aufzuzeigen. Denn das flüs-sige Volksgut, wie es im Großstadtwuchs vor uns steht, fließt, wenn wires zutiefst betrachten, doch in alten Betten. Aus einem gewissen geistigenGefüge kann ein echtes Volksgut keinesfalls heraus. Nur steht es auf derStufe der Großstadt und hat sich so bis zur Unkenntlichkeit verkleidet"( Schmidt 1940, 100).

Wenn auch, wie Hermann Bausinger feststellte, die programmatischeAusrichtung der Volkskunde im Sinne einer deutschen Bauernkunde nurbis in die späten zwanziger Jahre gültig war( Bausinger 1986, 14), so lagder Schwerpunkt der Forschungspraxis bis in die sechziger Jahre dennochweiterhin deutlich im ländlichen Bereich. Schmidts Großstadtvolkskunde

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