Herbert Nikitsch
verwirklichte Plan erstmals gehegt worden ist. So wurde etwa aus Anlaẞder„ Befreiung Österreichs“ im Staatsvertragsjahr die Schaffung einesÖsterreichischen Freilichtmuseums durch den Verein angeregt( Pöttler1991, 206f.) und bereits in den ersten Nachkriegsjahren an den„ Öster-reichischen Bundesverlag“, der lange Jahre die Österreichische Zeitschriftfür Volkskunde herausbrachte und über seinen Direktor Rudolf Dechantdem Museum eng verbunden war, mit konkreten Vorschlägen und Vorar-beiten zu einem 1969 mit Erscheinen des 1. Bandes der„ Österreichi-schen volkskundlichen Bibliographie“ verwirklichten- BibliographischenHandbuch der österreichischen Volkskunde herangetreten, wobei man dieRedaktion ebenfalls ausschließlich dem Verein für Volkskunde in Wienüberantworten zu müssen glaubte( Schmidt 1948, 10f.). Dieser, in denSchreiben seines langjährigen Generalsekretärs und späteren Präsidentengerne als„, Organisation sämtlicher Volkskundler Österreichs“ bezeichnet,verfügte ja auch mit der Zeitschrift über ein für die fachliche Integrationwichtiges Instrument, wobei Schmidt anfangs Anton Dörrer und ViktorGeramb als Vertreter der Universitätsstädte, in denen Volkskunde gelehrtwurde, in die Herausgabe eingebunden und die beiden Kollegen auch insRedaktionsteam der ab 1947 erscheinenden Volkskundlichen Beiträge ausÖsterreich geholt hatte. Diese Zusammenarbeit zerschlug sich allerdingsbald, wobei die konkreten Ursachen, will man nicht auf privaten unver-öffentlichten Schriftverkehr zurückgreifen, nur allgemein- unbestimmtfestzumachen und dabei etwa weniger in einem Reflex auf jenes bekannte,aus dem ,, alten Kronlandindividualismus der späteren Bundesländer"( Botz/ Müller 1995, 13) resultierende föderalistische Konkurrenzverhältnis zusehen sind, sondern wohl eher, wie immer eindimensional solche Erklä-rungsansätze auch anmuten mögen, im Habitus der einzelnen Akteure, diesich zuweilen wohl für die„ Inkarnation des wissenschaftlichen Subjekts"( Bourdieu) hielten- eine Rolle, die ihnen von jeweiliger Anhängerscharim Gewand zärtlicher Titelei(„ Vater Geramb“) z. T. übers Grab hinauszugestanden wurde.
Untergraben wurden die angesprochenen Wiener Hegemoniebestrebungenjedenfalls durch die Etablierung des von Karl Ilg auf der Volkskunde- Ta-gung in Stift Mehrerau bei Bregenz 1957 angeregten und im Jahr darauf inSaalfelden konstituierten Österreichischen Fachverbandes für Volkskunde,der sich als Interessensvertretung„ der in der Volkskunde im öffentlichenAuftrag Tätigen"( N. N. 1958, 29) begriff. Seine Gründung stieß im WienerVerein naturgemäß auf nur geringes Wohlwollen. Letzterer hatte auch mitkeinem offiziellen Vertreter an der Gründungssitzung teilgenommen- und
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