Volkskunde in Österreich nach 1945
weniger wirksam: Wenn Schmidt etwa in Abkehr von einschlägigen Ak-tivitäten seiner Jugendjahre- etwa als Schriftführer der vom„ Hauptver-band der heimatlichen Volkskunst, Volksbrauch und Trachten pflegendenVereine" mit Sitz am Österreichischen Museum für Volkskunde Ende der1930er Jahre herausgegebenen Zeitschrift Heimatland oder als aktiverPflegefunktionär im Rahmen der die Volkskunde der Vorkriegszeit tiefprägenden Jugendbewegung( Kretzenbacher 1983) – vehement eine„ Scheidung der Volkskunde als Wissenschaft von allen Bestrebungen,welche sich ihrer wissenschaftlichen Grundlagen zu bedienen versuchen"intendierte( Schmidt 1947b, 127), nahm er eine Grenzziehung vor, die vonweiten Kreisen auch gleichaltriger Kollegenschaft, mit oft erheblichemArgumentationsaufwand( Lipp 1949; Koren 1949), nicht akzeptiert wurde.Dies war freilich auch nur konsequent für die Vertreter eines Faches, dasals moralisierende Unterhaltungsanstalt vorrangig populäre Wirksam-keit intendierte, wozu es weniger nüchtern- theoretischer Grundlegungals vielmehr der Präsenz in damaliger Medienlandschaft bedurfte; unddiese Präsenz wurde ja auch nachdrücklich und in breiter Linie- vom,, Hausbuch“ bis zur Familiensendung im Rundfunk( Reischek 1953; ORFPressedienst 1973)- demonstriert.
Im übrigen war Schmidts Konzeption einer„ Überlieferungskunde“ vonnur geringer Originalität. Nicht nur bediente sie sich jener„ Bestimmungs-merkmale des Volkstümlichen“, die Richard Weiss in seiner SchweizerVolkskunde- jenem dem Fach auf neutralem Boden ausgestellten„ Unbe-denklichkeitsbescheid“( Jeggle 1988, 65)- durch„ Gemeinschaftsbindungund Traditionsbindung" festgelegt hatte( Weiss 1946, 9), sondern erinnertauch in ihrem Rekurs auf die„ Motivierungen, welche außerhalb der Indi-vidualität liegen“( Schmidt 1947b, 124), an jenes„ Generell- Stagnierende“,das seit Eduard Hoffmann- Krayer einer„ Volkskunde als Wissenschaft“ inAbwandlungen als Leitmotiv gedient hatte( Hoffmann- Krayer 1902, 10).Analog zur allgemeinen gesellschaftspolitischen Entwicklung zeigt sichsolcherart der„ Neubeginn“ der hiesigen Volkskunde auch auf ihrem ela-boriertesten theoretischen Niveau als„ Rückbruch“, als jener restaurativeRegreẞ also, der generell die Konsti- tuierungsphase der Zweiten Republikbegleitet und mitbestimmt hatte( Hanisch 1994, 395)- eine Tendenz, diefreilich im weiteren der endgültigen akademischen Konsolidierung desFaches nicht hinderlich war.
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