Erste Ansätze
Aufsammlung von Märchen und Sagen, Volksliedern, Reimen, Sprich-wörtern, abergläubischen Vorstellungen und Bräuchen zum Ziel setzte.Im Feber 1815 ließ die Gesellschaft das Circular wegen Aufsammlungder Volkspoesie drucken, neben den statistischen Erhebungen ErzherzogJohanns ein weiteres frühes volkskundliches Fragebogenunternehmen aufösterreichischem Boden. Das„ Circular“ wurde in insgesamt 189 Exem-plaren verschickt, ein Großteil davon nach Deutschland. Über den Erfolgdieses Unternehmens sind wir leider nicht unterrichtet( L. Schmidt 1974;Petzoldt 1993). Auf den Entwicklungsgang der romantischen Ausrich-tung der österreichischen Volkskunde scheinen Schlegel, Brentano undJakob Grimm trotz ihrer Aktivitäten in Wien interessanterweise keinenunmittelbaren Einfluß ausgeübt zu haben. Vor allem Jakob Grimm wurdeerst für die zweite Generation der österreichischen Sagensammler zumentscheidenden Anreger.
Auch in Österreich setzte die romantische Volkskunde mit der Aufsamm-lung von Volksliedern ein. 1807 veröffentlichte der Tiroler LandrichterJohann Strolz erstmals ein Tiroler Volkslied mit Melodie( Strolz 1807)und verwendete dabei als erster den Begriff Volkslied im romanti-schen Sinn. Etwa ab 1811 befaßte sich Joseph Georg Meinert mit denVolksliedern der Deutschen in Mähren und legte 1817 seine wichtigeSammlung Fylgie oder alte deutsche Volkslieder in der Mundart desKuhländchens vor( Meinert 1817), nachdem er bereits vorher Auszügedaraus in Schlegels Deutsches Museum gegeben hatte. 1819 folgte dievon dem Schlesier Maximilian Schottky und dem Wiener Magistratsbe-amten Franz Ziska gemeinsam herausgegebene Sammlung Österreichi-sche Volkslieder mit ihren Singweisen( Ziska/ Schottky 1819), und imselben Jahr wurde von der Wiener Gesellschaft für Musikfreunde undihrem Sekretär Joseph von Sonnleitner eine groß angelegte SammlungVolksmelodien der gesammten österreichischen Monarchie initiiert, dieaber leider nur ausschnittweise veröffentlicht wurde( L. Schmidt 1951,80). Die umfangreiche Sammlung Schottkys von ca. 1500 Liedern gingleider größtenteils verloren( L. Schmidt 1951, 82). Für den Bereich desVolkslieds ist weiters noch der Dichter Johann Gabriel Seidl zu nennen,der von Schottky und Ziska aber auch von Erzherzog Johann angeregtseine Sammlung Almer. Innerösterreichische Volksweisen veröffentlichte( Seidl 1850). Schottky und Ziska waren nicht durch Jakob Grimm oderClemens Brentano zur Aufsammlung von Volksliedern gelangt. Sie stan-den dem Kreis der frühen Breslauer Germanisten um Friedrich Heinrichvon der Hagen und Johann Georg Büsching nahe. Ziskas Interessen gin-gen aber über das Volkslied hinaus. Er verfaßte bereits 1819 eine kurze
31