Ingo Schneider
Beschreibungen von Volksschauspielen, Prozessionen und Trachten findensich bei Lewald etwa auch Angaben zu den Ernährungsgewohnheiten,dazu der folgende Ausschnitt:
„ Während der italienische Tyroler seine gelbe oder schwarze Blende( Polenta)täglich verzehrt, und der ärmere Bergbewohner sich mit seinem Roggenmuẞund der Geiẞmilch begnügen muß, führt der deutsche Landmann der Ebene( im Etschthale) ein üppigeres Leben.[...] Gewöhnlich werden fünf Mahlzeitengehalten: das Vor- oder Frühmahl, der Halbmittag, der Mittag, die Marendund das Nachtmahl. Beim Mittag- und Nachtmahl wird geräuchertes Fleischgegessen und Wein reichlich getrunken. Selbst die Knechte erhalten bis zweiMaẞ täglich, und in der Mähe- und Erntezeit auch wohl mehr. Castanien,Nüsse und das trefflichste Obst, womit auch ein belebter Handel getriebenwird, machen einen Hauptbestandtheil der übrigen Mahlzeiten aus. Gemüsewird nur wenig gegessen, die feineren kennt man nicht einmal dem Namennach; ihre Stelle nimmt der Salat ein. Knoblauch als Würze ist sehr beliebt, undoft fielen uns die spanischen Hirten ein, wenn uns auf einer Gebirgstour dieguten Leute eine Ziege schlachteten, und sie uns süßduftend von Knoblauchauftrugen"( Lewald 1833/34, Bd. 2, 151).
Auch wenn solche Schilderungen durchaus einen gewissen Infor- ma-tionswert aufweisen, bleiben sie im allgemeinen doch an der Oberflä-che. Fundierter und von größerer Sachkenntnis getragen sind dagegendie Arbeiten einheimischer Reisender, wie zum Beispiel die Schriftendes in Lienz geborenen und in Meran wirkenden Geistlichen BedaWeber. Er verband in seinen zahlreichen Werken landschaftliche undhistorische Darstellungen mit Schilderungen von Sagen und Bräuchen( Weber 1837-1838, 1852). Ideen der Aufklärung und der Romantik greifendabei ineinander.
Kehren wir noch einmal an den Anfang des 19. Jahrhunderts zurück,um auf die Entwicklung der romantischen Volkskunde in Österreicheinzugehen. Zu Beginn des 19. Jahrhunderts hielten sich einige führen-de Vertreter der deutschen Romantik in Wien auf. 1809 trat FriedrichSchlegel in österreichische Dienste, hielt 1810-1812 in Wien historischeund literaturhistorische Vorlesungen und gab die Zeitschrift DeutschesMuseum heraus, an der unter anderem auch Jakob Grimm mitarbeitete.1813 weilte Clemens Brentano zum zweiten Mal in Wien, und 1814 kamJakob Grimm als hessischer Legationssekretär für ein knappes Jahr zumWiener Kongreß. Über Vermittlung seines Freundes Brentano fand erEingang in einen Kreis von Antiquaren und Sammlern, die sich wöchent-lich im Wirtshaus zum Stroblkopf in der Wollzeile trafen. Aus diesenTreffen entstand die sogenannte„ Wollzeiler- Gesellschaft“, die sich die
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