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Volkskunde in Österreich : Bausteine zu Geschichte, Methoden und Themenfeldern einer Ethnologia Austriaca
Entstehung
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Erste Ansätze

herzogs an volkskundlichen Beobachtungen wurde, wie bei vielen seinerZeitgenossen, wohl durch seine bereits in jungen Jahren aufgenommene,ausgedehnte Reisetätigkeit geweckt. Seine Tagebuchaufzeichnungen legendavon Zeugnis ab. In den Notizen über die 1801 unternommene Reisedurch Salzburg und Tirol handelte er z. B. ausführlich von den Gebräu-chen und Sitten des Pinzgaues, von den Bauernhäusern, Mahlzeiten,der Tracht, von Charakter, Körperbeschaffenheit, Religion, von Volks-schauspiel, Volksliedern, Musik und Liebesleben( Geramb 1911, 43). Mitbesonderer Liebe scheint er immer wieder die Alpenregionen vor allemder Steiermark durchwandert zu haben. Auch darüber berichtete ErzherzogJohann in seinen Tagebüchern, die überhaupt eine Fülle volkskundlicherNotizen enthalten. Nach der temporären Abtrennung des von ihm sehrgeschätzten Tirol vom österreichischen Kaiserstaat wandte Erzherzog Jo-hann sein Hauptaugenmerk der Steiermark zu. Hier begründete er 1811 mitdem Joanneum eines der frühesten Museen der österreichisch- ungarischenMonarchie und vermachte diesem seine umfangreichen Sammlungen. Dasvon Erzherzog Johann selbst entworfene Konzept, in dem von Anfang anauch die Volkskunde Berücksichtigung fand, war für die damalige Zeithöchst modern. Museen waren für ihn niemals nur Orte der Aufbewahrungund Präsentation verschiedener Sammlungen, sondern hatten zugleich aucheinen Forschungs- und Bildungsauftrag zu erfüllen. Dem Joanneum warendeshalb bereits in den ersten Jahren verschiedene Lehrkanzeln und etwaauch ein chemisches Labor angefügt. Im Bereich der Volkskunde verfolgteErzherzog Johann allerdings vorwiegend volksbildnerische Ziele. Er wollteder Jugend den Wert der alten Sitten nahebringen. Eng mit der Gründungdes Joanneums verbunden sind die von Erzherzog Johann initiierten sta-tistischen Rundfragen, denn bereits im Programm des Museums wurdeals zweiter Hauptpunkt die Statistik mit allen Subdivisionen angeführt( Geramb 1911, 53). Im Dezember 1810 und Jänner 1811 versandte ernach langer, gründlicher Vorbereitung seine Rundfragen an die Kreisäm-ter. Ein wesentliches Ziel war die Erfassung eines breiten Spektrums anVolkskultur. Die Fragen betrafen unter anderem die Bereiche Volksmedizinund-brauch, Volkslied und Volkserzählung, Sprache, Kleidung, Nahrung,bäuerliche Geräte, Almwirtschaft, Haus und Hof aber auch das Dienst-botenwesen. Der Rücklauf der breit angelegten Aktion entsprach leidernicht den hochgesteckten Zielen. Die eingelangten Materialien kamenzunächst ins Joanneum, später dann ins steirische Landesarchiv. Welchreiche Ergebnisse die Umfrage Erzherzog Johanns zeitigen konnte, wennsie einen interessierten Beantworter fand, belegt der Versuch einer Statistikvom kameralischen Bezirke Fohnsdorf im Judenburger Kreise aus dem

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