Ingo Schneider
von Dornholz durch den Leib schlagen." Solche Durchpfählungen toterKörper bei geöffnetem Grab seien, so Valvasor,„ unter den Istrianern/ aufdem Lande/ nemlich den Bauern/ sehr gemein“( Valvasor 1689, 6. Buch,335). Valvasor stand diesen und anderen Geschichten und abergläubischenAnschauungen wohl kritisch gegenüber, stellte sie aber dennoch nichteindeutig und ausschließlich als Ausdrucksformen des Volksglaubens dar,sondern versuchte durch Heranziehung anderer Autoren seine Schilderun-gen zu relativieren und in einen wissenschaftlichen Diskurs einzubinden.Im 7., der Religion gewidmeten Buch, behandelte Valvasor verschiedeneBräuche des Kirchenjahrs, so die Speisenweihe zu Ostern, die Herstellungdes Osterbrotes„ Kolatsch“ sowie der„ Potizen“ zu Weihnachten, dieHeischebräuche der Umsinger von St. Nikolaus bis Lichtmeß, aber auchabergläubische Handlungen wie etwa Losbräuche in der Christnacht undschließlich ausführlich den Hexenglauben seiner Zeit. In der Genauigkeitder Darstellung und der Vielfalt volkskundlicher Beobachtungen stelltedie Ehre des Herzogthums Crain, wie erwähnt, eine überragende Einzel-leistung dar. Valvasor nahm noch in einer anderen Hinsicht ein späteresMerkmal der wissenschaftlichen Volkskunde vorweg: in der nahezuausschließlichen Konzentration auf den Bauernstand. Er zählt somit zuden Vorvätern einer bis in unsere Zeit reichenden Wissenschaftstradition,die ihr Hauptaugenmerk der ländlich- bäuerlichen Bevölkerungsschichtzuwandte, und dies damit begründete, nur dort könne Volksleben undVolkskultur noch urtümlich und unreflektiert erlebt und studiert werden.Für das späte 17. Jahrhundert sei noch eine weitere Text- bzw. Quel-lengattung erwähnt, in der sich immer wieder ein Interesse am alltäg-lichen Lebensvollzug der einfachen Bevölkerungsschichten zeigte: dievolkstümliche Predigtschriftstellerei. Als bedeutendster Vertreter dieserRichtung in Österreich sei der aus Schwaben stammende AugustinerpaterUlrich Megerle, bekannt unter dem Namen Abraham a Sancta Clara( 1644-1709), erwähnt. Sein umfangreiches Schrifttum enthält Angabenzu unterschiedlichen Bereichen der Volkskultur, zu Volksglauben undBrauch, zu Volkslied und Volkserzählung, Sprichwort und Redensart( L.Schmidt 1951, 31).
III.
Im Laufe des 18. Jahrhunderts trat die Entwicklung der Volkskunde zurwissenschaftlichen Disziplin in eine entscheidende Phase. Waren esbisher jeweils nur herausragende Einzelleistungen gewesen, so begannnun allmählich eine kontinuierliche Beachtung von Volkskultur".
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