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Polnische Volksmärchen
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Wie der Teufel den Branntwein machte¹).

Es war einmal ein Bauer mit seiner Frau und hatten sechs Kinder.Der Bauer arbeitete nun mit seiner Frau im Schweiße seines Angesichtes,konnte sich aber niemals etwas erarbeiten. Es fehlte ihm sonst nochnichts, nur Brot und er hatte nichts zu essen.

Das geschah kurz vor dem Frühling.

Er geht aufs Feld pflügen, kehrt noch ins Haus zurück und sagt zuseiner Frau: ,, Marynia, such' nur noch nach Brot, damit ich es mir zumMittagessen mitnehme, denn ich gehe pflügen. Da werde ich bis zumAbend noch Hunger bekommen."

Seine Frau antwortet: ,, Es ist noch das letzte Stück Brot da; aberwenn du noch das letzte Stück Brot mitnimmst, was werde ich dannmit den Kindern anfangen, die schon jetzt weinen, weil sie essen wollen."

Doch er erwidert: ,, Für die Kinder borge du hier bei einem Nachbarein Stück Brot und ich nehme schon dieses, Stück Brot mit mir."

Und seine Frau sagt: ,, Nimm es nur, ich werde mir vielleicht mitden Kindern Rat wissen." Der Bauer nahm das Brot und ging pflügen.Er kam zu dem Stück Feld und pflügte. Aber schon vor der Mittagszeitläßt er die Pferde frei zum Mittagessen und setzt sich selber hin, um etwasauszuruhen. Und er macht sich an das Stückchen Brot, das er von Hausemitgenommen hat, beginnt zu essen und denkt dabei: ,, Ei, wenn meineMarynia bei der Nachbarin nicht Brot geborgt hat, dann werden jetztdie Kinder essen wollen und irgendwo weinen."

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Da erfaßte ihn Mitleid, er nahm das Brot, etwas davon und ließetwas den Kindern übrig. Er denkt bei sich: ,, Wenn ich abends vomFelde zurückkomme, gebe ich ihnen dieses Brot." Wie er es dachte,so tat er auch. Er nahm das Brot, wickelte es wieder zurück in das Tüch-lein ein und sagte: ,, Das muß ich für die Kinder aufbewahren."

Dann nahm er das Brot und legte es auf den Rain, spannte wiederdie Pferde an und pflügte weiter bis zum Abend.

Schon neigte sich die Sonne dem Untergang zu, schon gab er dasPflügen auf, ging noch das Brot von dem Platz holen, wo er es hingelegthatte. Er kommt hin das Brot ist nicht da.

,, Ei, was ist das für ein Wille Gottes? Hier habe ich es hingelegtund es ist nicht da. Sicherlich hat es einer genommen, der Hunger hatte.Aber ich habe nicht gesehen, daß jemand hicher gekommen ist, denn dasFeld ist eben, man sieht von einem Ende zum anderen, da würde mansehen, wenn es jemand genommen hätte. Doch wenn er es genommenhat, dann mag es ihm zum Wohle gereichen."

Es hatte der Teufel das Brot genommen und aufgegessen. DieserTeufel begab sich darauf in die Hölle zu dem ältesten Lucifer und erzählteihm, er habe einem armen Manne das Brot aufgegessen. Da sagt Lucifer

1) Das Märchen stammt aus der Gegend von Stanisławów, wo es unter Russenpolnische Adelige gibt, und ist erzählt von Saloni in ,, Mater. antrop.- archeol. i etnogr.",Bd. XIII, S. 129 f.