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Polnische Volksmärchen
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eine Säule anbinden lassen." Darauf begann er auf der Geige zu spielen,der Herr riẞ die Säule aus und tanzte. Man bat den Jungen, mit demSpielen aufzuhören. Der Junge aber antwortete: ,, Wenn ihr mir vergebt,so höre ich auf." Und sie schenkten ihm die Strafe.

Der Dienst¹).

In einem Hause waren der Vater, die Mutter und die Töchter ge-storben. Nur ein Sohn, Jaś mit Namen, blieb übrig. Er zog aus, umsich eine Dienststellung zu suchen. Als er so daherging, kam eine wunder-schöne Droschke mit vier Pferden gefahren. Darauf saß ein Herr; derfragte den Burschen: ,, Wohin gehst du?" ,, O, ich gehe Dienst suchen.",, Komm zu mir, du brauchst nichts anderes zu tun als nur zu heizen. Bistdu einverstanden?" ,, Gut!" antwortete Jaś, setzte sich auf die Droschkeund fuhr mit. Er hatte nichts zu tun, nur zu heizen. Die Teufel ver-boten ihm, in die Kessel hineinzuschauen, denn wenn er hineinsähe, würdensie auch ihn in einen Kessel werfen 2). Er heizte so lange, bis er es über-drüssig wurde. Da sah er in einen Kessel hinein. Darin war sein Vater;der sprach: ,, O, mein Sohn, mein Sohn, so heizt du unter mir. Warte,bald kommst auch du in diesen Kessel." Jaś blickte in einen zweitenKessel; dort war seine Mutter. ,, O, mein Sohn, mein Sohn, so heizt duunter mir. Warte, bald kommst auch du in diesen Kessel." Er schautein einen dritten Kessel; dort waren seine Schwestern und Brüder. ,, O,Bruder, Bruder, so heizt du unter uns. Warte, bald kommst auch duhinein." Jaś heizte nicht vier Monate lang und erlöste alle Seelen. Diese

1) Das Märchen stammt aus Jaćmierz, einem Städtchen im Kreise Sanok, und isterzählt von Magierowski im ,, Lud", Bd. V, S. 171.

2) Ein ähnliches Märchen ist auch in Galizien bekannt. Ein Junge dient in derHölle und heizt einen Kessel. Nach einiger Zeit wird ihm die Arbeit überdrüssig under will entfliehen. Eine Stute sagt zu ihm, sie sei seine Mutter, er solle entfliehen, abervorher einen Pelz in den Kessel stecken. Der Junge tut es und flieht mit dem Pelzaus der Hölle. Der Pelz wird ihm zu schwer, er wird müde und legt sich schlafen.Unterdessen verwandeln sich die Seelen, die an dem Pelz hängen geblieben sind, inSchafe. Als er aufwacht, erscheint ihm die Mutter Gottes und bittet ihn, die Schafezu hüten. Zum Danke erhält er von ihr einen schwarzen Widder, aus dessen WolleGeld fällt, wenn man sie mit einem Stocke berührt. Vgl. Kolberg: Serya VIII, S. 127.Dasselbe Märchen ist auch in Kajuwien bekannt. Dort ist es nur ein Stock mitLöchern, den der Junge in den Kessel steckt, damit sich die Seelen daran hängen.Nach seiner Flucht aus der Hölle erlebt der Junge noch verschiedene Abenteuer. EinGreis kauft ihm den Stock für sieben Groschen ab; für sechs Groschen soll er sichKleider kaufen und den einen behalten. Er kommt in eine Stadt, wo es kein Wassergibt. Er findet Wasser unter einem Stein auf dem Ring. In einer anderen Stadt willein König seine Tochter verheiraten. Wer einen großen Keller mit Geld füllen kann,soll sie bekommen. Der Junge tut's. Die Prinzessin liebt ihn nicht. Er muß auf ihreBitte ein gläsernes Häuschen bauen und damit aufs Meer fahren. Die Prinzessin wirftihn in das Meer. Er rettet sich und wird Gärtner. Sie soll einen anderen heiraten.Der Junge kommt an die Kirche und bietet Äpfel an. Von ihrem Genuß erhalten alleHörner, auch die Prinzessin. Vgl. Kolberg: Serya III, S. 145 f.