191
Geld und ich kann mir noch mehr Pferde und Acker kaufen. Das Feldwerde ich bearbeiten, werde Getreide säen, verkaufe es und habe vielGeld. Schließlich kaufe ich mir ein ganzes Dorf, und hab' ich erst einDorf, dann kauf' ich mir auch ein zweites, drittes, viertes und werde sehrreich sein.
Aha! dann bin ich schon groß und ich verheirate mich, aber mitwem? Vielleicht mit einem Dorfmädchen? O nein, ich bin ja ein Herr.Hm? vielleicht mit einem Gutsfräulein? O! das würde auch gar nichtsfür mich sein! Ich bin ja dann ein großer Herr. Aha! jetzt weiß ich's,mit einer Fürstin... Und wenn sie dich nicht haben wollte? Was,mich nicht haben wollte?... Wenn ich ihr einen Fußtritt versetzte!!!...Er stieß den Fuß in die Höhe, gerade gegen den Krug... Der Krug fielum, die Milch floß aus, vernichtet waren die Hühner, die Enten, die Gänse,die Schweine, die Kühe, die Pferde, die Felder, die Dörfer, das Geld unddie Fürstin. O, da weinte er, weinte er! ,, Siehst du, warum hast du derFürstin einen Fußtritt versetzt¹)?"
Der Junge).
Ein Junge machte sich einst eine Peitsche. Da kam der Teufel zu ihmund fragte den Jungen: ,, Wozu machst du die Peitsche?" Der Jungeantwortete: ,, Damit werde ich die Teufel prügeln." ,, Ich will dir geben,was du dir wünschest, schlage sie nur nicht", sagte der Teufel. ,, Ichwünsche mir eine solche Geige, daß, wenn ich auf ihr spiele, alles, wases auf der Erde gibt, anfängt zu tanzen, ferner eine Flinte, mit der ichalles schießen kann, was ich will und solche Stiefel, daß, wenn ich einenSchritt mache, eine Meile und wenn ich einen Sprung mache, zwei Meilenzurückgelegt sind."
Eines Tages ging der Junge auf die Jagd. Da kam ein schöner Vogeldahergeflogen. Den sah ein Herr, der des Weges fuhr und bat den Jungen,ihm den Vogel zu schießen. Der Junge sagte zu dem Herrn: ,, Ziehe dichvollständig aus, krieche in den Schlehenstrauch, so will ich dir den Vogelschießen." Der Herr zog sich aus und kroch in den Strauch. Der Jungestrich mit dem Bogen über die Saiten der Geige, der Herr begann in demDornenstrauch zu tanzen und tanzte so, daß er sich Stücke aus dem Körperherausriẞ. Der Herr klagte den Jungen an. Er sollte an den Galgengehängt werden. Kurz bevor er aufgehängt werden sollte, bat er, manmöchte ihn noch einige Worte sprechen lassen. Es wurde ihm gestattet.Der Junge sagte: ,, Reicht mir meine Geige und der Herr möge sich an
1) Vgl. eine Bemerkung zu diesem Märchen von Dr. Kreck im ,, Lud", Bd. V,S. 273, wonach die polnische Version alte und neue Motive vereinigt. Die Art desReichwerdens und das Motiv des Stoßens stimmt mit einer Erzählung im Pancatantraüberein. Pancatantra Buch V, 9. Erzählung.
2) Das Märchen stammt aus Jaćmierz, einem Städtchen im Kreise Sanok, und ist-erzählt von Magierowski im ,, Lud", Bd. V, S. 176.