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gäbest, so wäre das eine gute Tat; heute predigte der Pfarrer, daß es eineSünde sei, die Menschen so zu betrügen." ,, Nun, so gebt her!" Der heiligeGeorg spricht: ,, Wißt ihr denn, wer ich bin? Ich bin doch der heiligeGeorg; gebt mir nur den Steigbügel zurück, gebt!" Der Mann kniete nieder.Dann holte er den Steigbügel und gab ihn dem heiligen Georg. Diesergab ihm seinerseits eine Schatulle voll Dukaten und sprach: ,, NehmetEuch diese Schatulle; es sind Dukaten darin. Solange du am Leben bleibst,nehmen die Dukaten nicht ab, aber nach deinem Tode verwandelt sichalles in Staub. Wirtschafte gut und kauf' dir Grundstücke, damit dudeine Kinder in einer besseren Lage verläßt, als dich dein Vater verlassenhat." Hierauf ging der heilige Georg weiter. Der Mann war sehr erfreut,kaufte sich sofort fünf Grundstücke, wirtschaftete gut, trieb keinen über-flüssigen Luxus, denn er wußte, was Not heißt, und als er gestorben war,hinterließ er seinen Kindern ein großes Besitztum. Die Schatulle aberzerfiel in Staub.
Das Märchen vom Hirtenknaben¹).
Ein Hirtenknabe diente bei einer Herrin als Gespiele ihres Kindes.Am Abend gab die Herrin dem Hirtenknaben einen kleinen Krug vollMilch. Der Hirtenknabe hatte keinen Hunger und machte sich am folgen-den Morgen noch vor Sonnenaufgang in das nah gelegene Städtchen auf,um die Milch zu verkaufen und sich für das Geld etwas zu kaufen, was ihmgerade gefallen würde. In Wirklichkeit war es nicht weit in das Städtchen,aber der Hirtenknabe war noch sehr klein und die Füße taten ihm baldweh. Als er ungefähr die Hälfte des Weges hinter sich hatte, sah er amGraben einen Stein liegen. Abgemattet setzte sich der Knabe auf den Stein,stellte das Krüglein neben die Füße, stützte sich den Ellenbogen auf denKnien, legte den Kopf in die Hände und begann zu überlegen:
,, Hm? Was könnte ich mir nur für die Milch kaufen? Aha! Ichbekomme für die Milch acht Kreuzer. Dafür kaufe ich mir Bruteier undlege sie unter Mutters Gluckhenne. Die Henne bringt Küchlein, ich werdesie füttern, bis sie groß sind und Eier legen. Dann werde ich schon eigeneHühner brüten lassen und werde viele Hühner besitzen. Die Hälfte ver-kaufe ich dann, kaufe mir eine Ente und lasse sie wiederum brüten, bisich viele Hühner und Enten habe. Abermals verkaufe ich die Hälfte undkaufe mir eine Gans. Die muß wieder Junge ausbrüten und dann habeich viele Hühner, Enten und Gänse. Dann kauf' ich mir schon zwei kleineFerkel und halte sie, bis sie ganz groß sind und Ferkel bekommen. Hierauffange ich zu handeln an und kaufe mir ein Kalb. Aus dem Kalb wirdeine Kuh und ich habe dann Milch. Aha! aber womit werde ich sie füttern?O, ich verkaufe die Hälfte der Hühner, Enten, Gänse und Schweine undkaufe mir eine Wiese und Acker. Dann kaufe ich mir ein Füllen, dieseswächst zu einem Pferde heran, mit ihm fahre ich Steine und verdiene viel
1) Das Märchen ist erzählt von Siewiński im ,, Lud", Bd. IV, S. 305.