185
vom Dache, laufen in die Hölle und schließen sie zu. Der Tod geht andie Pforte und klopft an: ,, Macht nur auf, macht nur auf!" ,, Wen bringstdu uns da?" ,, Wojtek, meinen Paten!" ,, Wir können ihn hier nichtgebrauchen. Er hat uns ordentlich in dem Täschchen beim Schmieddurchgehauen, so, daß wir sieben Jahre krank waren." Die Patin machtesich auf und ging weg. ,, Pate, was werde ich, Unglückliche, mit Euchtun? Man will Euch weder im Himmel noch in der Hölle." ,, Geht nurnoch einmal an den Himmel; versteckt das Täschchen mit mir unter dasLaken, klopft an und wenn sie Euch fragen, wozu Ihr kommt, so ant-wortet: Nu so, ich komme nur mich zu wärmen, denn ich bin durch-gefroren, und wenn sie Euch aufmachen, so werft das Täschchen in eineEcke und geht weiter! Sie werden mich doch da nicht hinauswerfen."So machte es die Patin. Sie sagte, daß sie durchgefroren sei; der heiligePetrus machte ihr auf, sie warf das Täschchen mit Wojtek, ihrem Paten,schnell in eine Ecke und ging fort. Der heilige Petrus kommt heran undstößt mit dem Fuß an das Täschchen. Da läßt sich Wojtek vernehmen:,, Na, warum trittst du mich? bin ich dir auch hier in der Ecke im Wege?Das Brot hat aber im Walde gut geschmeckt? ha? erinnerst du dich noch,wie du dich für einen Bettler ausgabst?" Der heilige Petrus ließ ihn inRuhe und Wojtek blieb auf diese Weise im Himmel.
Der heilige Georg und sein goldener Steigbügel¹).
In einem Dorfe wohnte ein Mann. Er war sehr arm, hatte eine Frauund mehrere Kinder, die er nicht ernähren konnte, obwohl er sehr vielarbeitete, sowohl beim Gutsherrn als auch bei Bauern. Eines Tages nahmer einen Strick und ging heimlich in den Wald, um sich zu erhängen.Er durchwandert den Wald und sucht nach einem geeigneten Baum, umgut hängen zu können. Da blickt er sich um und sieht, wie ein Herr aufeinem Pferde angeritten kommt. Der Herr fragt den Mann: ,, Mensch,was tust du hier?" ,, Herr, ich suche mir einen Baum, ich werde michnämlich erhängen." ,, Und warum denn das?" ,, Herr, ich leide großeNot, kann meine Frau und meine Kinder nicht ernähren, darum erhängeich mich, denn was soll ich tun?" ,, Hör' mich an, lieber Mensch! erhängedich noch nicht," so spricht der Herr zum Manne ,,, ich bin der heiligeGeorg, reite in Dienstsachen zum lieben Gott, da will ich auch den liebenGott wegen deines Loses fragen, wer weiß, vielleicht hört deine Not baldauf und du hast dich dann umsonst erhängt; setz' dich hier nieder undwarte auf mich; wenn ich zurückkehre, will ich dir verkünden, was mirder liebe Gott von dir sagt, ob es dir besser gehen wird oder nicht." ,, Herr,ich bin hungrig und wer weiß, wann du zurückkehrst, oder du kommstauf einem anderen Wege zurück und ich kann mich hier vergeblich weiden;he! das ist kein Spaß. Aber gib mir, Herr, ein Pfand, dann bin ich sicher,
1) Das Märchen oder besser die Legende stammt aus Dukli, einem Dorf im KreiseKrosno, und ist erzählt von Gustawicz im ,, Lud", Bd. VI, S. 340.