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Polnische Volksmärchen
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Von dem Soldaten, dem der Herr Jesus ein Täschchen schenkte¹).

Ein Soldat ging nach Hause auf Urlaub. Man gab ihm auf die Reiseein und einen halben Laib Brot und einige Kreuzer. Der Weg führte durcheinen Wald. In derselben Zeit ging auch der Herr Jesus mit dem heiligenPetrus und Paulus durch den Wald. Die beiden Heiligen hatten Hunger.Der heilige Petrus erblickte nicht weit vor ihnen den Soldaten, welchereinen ziemlichen Sack auf dem Rücken trug, und sagte zum Herrn Jesus:,, Herr, dort geht ein Soldat, er trägt einen Sack, vielleicht hat er Brotdarin. Ich werde ein wenig vorausgehen und dem Soldaten in den Wegtreten, vielleicht gibt er mir etwas?" Der Herr Jesus sprach: ,, Wenndu so großen Hunger hast, dann probiere es, er wird dir wohl etwas geben."Der heilige Petrus eilte voraus, überholte den Soldaten, indem er durch.den Wald ging, und setzte sich am Wege nieder. Der Soldat kam in seineNähe. Der heilige Petrus legt die Hände zusammen und bittet: ,, LiebesSoldatchen, schenke mir armen Bettler etwas!" ,, Armer Bettler, was sollich dir geben? Ich gehe, sagte der Soldat, ich gehe auf Urlaub, habeweit nach Hause; für den Weg bekam ich ein und einen halben Laib Brotund einige Kreuzer. Aber ich gebe dir einen halben Laib, vielleicht ver-gilt es mir Gott im Himmel." Und er gab ihm das Brot. Der heilige Petrusdankte dem Soldaten und blieb. Der Soldat verabschiedete sich vonihm und ging weiter. Der Herr Jesus und der heilige Paulus nähern sich.Jesus fragt den heiligen Petrus: ,, Nun, hast du was bekommen?" ,, Herr,das ist ein furchtbar guter Soldat; er hat nur ein und einen halben LaibBrot und sehr weit nach Hause und trotzdem gab er mir ein halben Laib."Sofort teilte der heilige Petrus das Brot mit dem heiligen Paulus undsie aßen es auf. Es schmeckte ihnen ausgezeichnet, aber sie hatten nochHunger. Da sagt der heilige Petrus zu Paulus: ,, Geh' du jetzt und machees ebenso wie ich, mich würde er wiedererkennen." Der heilige Pauluseilte voraus, trat dem Soldaten von neuem in den Weg und bat ihn umein Almosen. Der Soldat sagt: ,, Wie kommt es, daß ihr, Bettler, hierim Walde so zahlreich vorhanden seid? Eben habe ich einen Bettlerbeschenkt und schon sitzt auch ein zweiter wieder da und bittet. Ichhabe noch einen Laib Brot; dieses will ich mit dir, Bettlerchen, teilen."Er nahm das Brot aus dem Sack, zerschnitt es in zwei Hälften und gabeine Hälfte dem heiligen Paulus. Dieser dankte, der Soldat nahm vonihm Abschied und ging seines Weges. Bald kamen der Herr Jesus undder heilige Petrus heran. Der heilige Paulus hält ein halbes Brot in derHand und spricht: ,, Herr, sieh, er gab mir ein halbes Brot und ihm bliebauch nur noch ein halbes." Der Herr Jesus sagte: ,, Sehr gut, es mußein sehr guter Mensch sein, da er mit euch das Brot geteilt hat. Jetztwollen wir ihm nachgehen, wir müssen ihm etwas schenken." Sie brauchtendem Soldaten nicht lange nachzufolgen, um ihn einzuholen, denn er setztesich auf einen Baumstumpf, um auszuruhen. So holten sie ihn ein. ,, Ihr

1) Das Märchen stammt aus der Gegend von Dukli und Iwonicz, im Kreise Krosno,und ist erzählt von Gustawicz im ,, Lud", Bd. VI, S. 252 f.