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an den Ofen. Der Pfarrer trat zu ihm und fragte: ,, Vojtek, kannst dudas Vaterunser beten?" ,, Nein, Herr Pfarrer", entgegnete Vojtek. Dafaßte ihn der Pfarrer am Ohr und sagte: ,, Dann lerne es, dann lerne es."Er zog ihn ordentlich am Ohr, Vojtek blieb traurig sitzen und schauteauf den Kanarienvogel im Käfig. Der Pfarrer fragte ihn: ,, Warum schaustdu denn so hin?" ,, Nun, Herr Pfarrer, ich sehe auf den Käfig. KönnenSie, Herr Pfarrer, auch solche Käfige machen?" ,, Nein, ich kann nicht",antwortete der Pfarrer. Und Vojtek faßte ihn am Ohr und sagte: ,, Dannlernen Sie es, dann lernen Sie es", und zog ihn auch ordentlich daran.Da sagte der Pfarrer zu dem Herrn: ,, Sehen Sie, habe ich Ihnen nichtgesagt, daß er uns alle zu Narren machen wird?" Und sie konnten nichtsmit ihm anfangen und trieben ihn fort.
Das Märchen von Wojtek¹).
Daß sich auch diese Juden jedem Menschen fühlbar machen, mages im Dorfe oder in der Stadt sein. Sie lungern in den Schenken herum,arbeiten nicht, sondern verleiten die Männer nur zum Branntweintrinken.Andere kommen Gott weiß woher ins Dorf, gehen von Haus zu Hausund schachern bei ehrlichen Leuten bald um Getreide, bald um Werg,bald um Hühner und bisweilen erschachern sie sogar das Haus mit Grundund Boden. O, dann ist es schon schlecht bestellt. Und wieviel erst sindin den Städten? Die Straßen sind schwarz von ihnen. Dort betrügensie erst recht die Leute und prügeln bisweilen sogar einen durch. So zu-dringlich sind die Bestien, daß sie überall in Fülle vorhanden sind, sogarauf den Gutshöfen, wo sie die Herren selbst betrügen.
Dennoch gibt es eine Stadt in unserem polnischen Reiche, wo esüberhaupt keinen Juden gibt und niemals geben wird. Diese Stadt liegtweit, weit weg bis hinter Krakau an einem großen Flusse. Es ist sehrlange her, da sich die Juden in dieser Stadt niederließen und ausbreiteten.Sie nahmen alle Häuser in ihren Besitz, nur ein Haus blieb übrig. Indiesem wohnte Wojtek mit seiner Frau und vier Kindern. Auch ihnwollten die Juden aus dem Hause jagen. Aber der Rabbiner verbot esihnen aus dem einfachen Grunde, daß sie dann niemanden hätten, derihnen am Sabbat im Ofen Feuer anlegt oder die Kerze auslöscht, bis-weilen als Träger dient oder ihnen Wasser fährt. Wojtek hatte ein Pferdund fuhr mit diesem anfangs Wasser für die Juden. Aber auch das Pferderschacherten sie von ihm. Er mußte nun das Wasser auf der Schulter-trage tragen. Seine Frau wusch den Juden die Wäsche.
Das wurde aber Wojtek doch zu viel. Er überlegte hin und her,wie er sich sein Los verbessern könnte. Eines Tages machte er sich einenKochlöffel, d. i. ein flacher Stab zum Mischen von Mehlbrei, und erwarteteden Sonnabend. Es war gerade Winter. Seiner Frau befahl er, einen
1) Das Märchen ist erzählt von Siewiński im ,, Lud" III, S. 146. Der Abstammungs-ort ist nicht angegeben.