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Polnische Volksmärchen
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Bruder los geworden zu sein. Doch den Prinzessinnen lag das sehr imKopfe; den ganzen Tag gingen sie an das Loch, um zu horchen, ob er nichtdoch noch lebt. Sie konnten sich aber mit ihm nicht verständigen, denndas Loch war tief in der Erde. Und auch er hatte die Hoffnung, ob ihndie Prinzessinnen nicht irgendwie herausziehen werden. So geschah esauch. Er versuchte auf der Leine hinaufzuklettern. Die Prinzessinnenbemerkten es und zogen ihn herauf. Sie erzählten ihm, wie sich seineBrüder über ihn beraten haben, um ihn los zu werden und wie sie, nach-dem sie die Tür fallen gelassen, zueinander gesagt haben, daß er jetzttot sein wird. Doch es war nicht so gekommen, denn nicht er war an derLeine angebunden, sondern die Tür. Da er sich fürchtete, seine Brüdermöchten ihn totschlagen, wollte er sich von ihnen befreien. ,, Ich weißgut," sagte er zu sich selbst ,,, daß sie mich töten werden und ich werdekeine Sünde begehen, wenn ich sie beide töte." So tat er auch und nahmsich alle drei Prinzessinnen. Und sie feierten eine herrliche, große Hochzeit.Ich selbst war damals ein kleiner Knabe. Man schoß dort furchtbar. Ichwurde gefangen, in die Kanone gesteckt und hier an die Weichsel ge-schossen. Bis hieher trug es mich. Deshalb weiß ich gut, wie es dortwar und niemand soll mit mir streiten, der nicht dabei war¹).

Von einem armen Manne²).

Ein armer Mann hatte sieben Kinder. Da er für sie nichts zu essenhatte, ging er in den Wald Pilze suchen. Während des Suchens erblickteer hoch oben auf einer Tanne ein Nest. Er kletterte hinauf. In dem Nestlagen 30 Eier. Er nahm sie in den Korb und trug sie nach Hause. Erwollte die Eier verkaufen. Seine Frau aber sagte, man solle sie lieberunter eine Henne legen; für die Hühnchen würden sie mehr bekommen.Es waren nämlich Eier von Feldhühnern. Die Henne saß vier Wochenauf den Eiern und brütete 30 Knäblein aus. Was sollten sie mit ihnenanfangen? Sie wollten sie ertränken. Da sie ihnen aber doch leid taten,zogen sie die Knäblein auf. Sie wurden 18 Jahre alt. Der Mann sagtezu ihnen, er hätte sie schon lange genug ernährt. Sie gingen Dienst suchen.Nirgends fanden sie etwas Geeignetes, denn sie wollten gern alle zusammendienen. Schließlich kamen sie zu einem Kaiser. Zuerst wollte sie aucher nicht alle annehmen. Als sie ihn aber so sehr darum baten, nahm ersie doch alle auf. Sie pflügten dem Kaiser die Felder. Die Ernte war sehrgut. Sie fuhren sie zu ihrem Nährvater. Im zweiten Jahre taten sie das-selbe und der Mann wurde dadurch sehr reich. Im dritten Jahre hatten

1) Ein ganz ähnliches Märchen ist auch in Giebułtów in Galizien bekannt. AnStelle der drei Brüder sind hier drei Riesen die Hauptpersonen. S. Kolberg: Ser. VIII,S. 76 f. Vgl. auch Kolberg: Serya XIV, S. 94 f.

3) Das Märchen ist bei den polnischen Bergbewohnern in Ungarn bekannt undvon Zawiliński erzählt in ,, Materyały antrop.- archeol. i etnogr.", Bd. I, Teil II, S. 419 f.