Druckschrift 
Polnische Volksmärchen
Entstehung
Seite
117
Einzelbild herunterladen
 

117

Die vier geschickten Brüder¹).

Es war einmal ein Häusler, der hatte vier Söhne. Als diese erwachsenwaren, sagte der älteste von ihnen: ,, Vater, wir müssen in die Lehre gehen,ladet die Nachbarn ein, veranstaltet ein Mahl für uns, wir gehen in dieLehre." Also lud der Vater die Nachbarn ein und den Taufpaten. Nachdem Mahle sagte der Taufpate zu dem Ältesten: ,, Junge, was willst dulernen?" ,, Ich will alles wissen." ,, Und du, zweiter, was willst du lernen?",, Ich will alles ausbessern können." ,, Und du, dritter, was du?" ,, Ichwill Jäger werden." ,, Und du, vierter, was willst du lernen?" Der wolltees nicht sagen. Da fragte ihn der Taufpate zum drittenmal; doch der sagtees nicht und der Pate sprach: ,, Auch wenn er ein Dieb werden sollte,ich würde ihn geben." Die Eltern weinten. Der Pate aber sagte: ,, Werstehlen kann, der kann auch verwahren."

Nach vierzehn Tagen sagte der Älteste zum Vater: ,, Vater, wir gehen indie Lehre für sieben Jahre." Sie gingen und kamen in einen Wald. Dortwaren vier Wege. Der Älteste sprach: ,, Gehen wir jeder auf einem Wegeund nach sieben Jahren treffen wir uns an dieser Stelle wieder."

دو

Nach sieben Jahren versammelten sich alle vier an derselben Stelle.Sie gingen zu ihrem Vater. Der Älteste sprach: ,, Vater, Ihr seid arm,wir wollen jeder sein Handwerk zeigen. Hier ist eine Krähe, hat Eierund sitzt auf ihnen. Du, Dieb, gehst hin und stiehlst ihr ein Ei." DerDieb ging hin, stahl das Ei und brachte es., Jetzt sollst du, Jäger, danachschießen." Sie legten das Ei auf ein Brett und es war nur so groß zu sehenwie eine Erbse. Der Jäger schoß und es zersprang in Stücke. Sie brachtendas Brett mit dem Ei. ,, Jetzt sollst du, der du alles ausbessern kannst,das Ei wieder ganz machen." Derjenige, der alles ausbessern konnte,sammelte die Stücke, legte sie zusammen und das Ei war wieder ganz.,, Jetzt sollst du es, Dieb, der Krähe zurücktragen und mache einZeichen darauf." Dieser bezeichnete es. Das Ei wurde zur Krähe ebensowie die anderen. Auf diese Weise hatten die Brüder ihrem Vater ihrMeisterstück gezeigt.

Es war ein König; der hatte eine Prinzessin. Eine Bestie raubte sieihm und brachte sie in ein Schloß auf einer Insel. Der König und dieKönigin wehklagten um sie und waren traurig. Da sagte der älteste vonden Brüdern: ,, Vater, wir können nicht hier bleiben, denn Ihr leidet Not.Unserem Könige ist die Prinzessin verloren gegangen. Wir wollen zuihm gehen und suchen, bis wir sie finden, damit wir auch gut auf der Weltleben können." Also machten sich die vier Brüder auf zum König undmeldeten sich bei ihm. Derjenige, der alles wußte, sagte zu ihm: ,, Durch-lauchtigster König, Ihnen ist die Prinzessin verloren gegangen, wir möchtensie gern zurückbringen." Der König antwortete: ,, Wenn ihr sie zurück-bringt, ist das Königreich euer." Darauf derjenige, der alles wußte:

1) Das Märchen stammt aus Eiglau, einem Ort im Kreise Leobschütz in Ober-schlesien, und ist erzählt von Malinowski in., Materyaly antrop.- archeol. i etnogr."Bd. V, Teil II.