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Die goldenen Birnen¹).
Einst hatte ein König in seinem Garten einen Birnbaum²), der niemalsBirnen trug. Eines Tages aber hatte er drei goldene Birnen. Der Königfreute sich sehr darüber, denn die Birnen hatten für ihn die Bedeutung,daß er noch drei Königreiche erlangen wird. In einer Nacht kam einVogel geflogen und nahm eine von den Birnen weg. Es blieben nur zweiBirnen und der König wurde darüber sehr traurig. In der zweiten Nachtkam der Vogel wieder und nahm die zweite Birne. Darauf stellte derKönig eine Wache vor dem Baume auf, aber als die dritte Nacht kam,nahm der Vogel auch die letzte Birne. Und der König hatte drei Söhne;einer von ihnen war dumm. Der älteste der Söhne sagte zu seinem Vater:,, Vater, gib mir 100 Gulden und ich will die Birnen suchen gehen." DerKönig gab ihm das Geld und der Sohn ging fort. Nach einiger Zeit sagteder mittlere Sohn: ,, Vater, gib mir auch 100 Gulden und ich will auchgehen und sehen, was der Bruder tut, und die Birnen suchen." Der Königgab ihm 100 Gulden und der mittlere Sohn machte sich auf. Viel Zeitverging, aber die beiden Söhne kehrten nicht zurück. Da sagte der Dumme:,, Vater, gib mir auch 100 Gulden und auch ich will gehen und die Birnensuchen." Doch der Vater antwortete: ,, E, geh du und lege dich lieberauf den Ofen; die sind klug und können nichts finden, du bist dummund willst sie finden?" Dann aber dachte er sich: ,, Schließlich will ichdir das Geld geben und wenn du auch dort irgendwo bleiben solltest, sowird es mir nicht um dich gehen." Und er gab ihm das Geld. Der Dummenahm sich das Geld und eine Flinte, machte sich auf und kam in einenWald. Ein Fuchs überholte ihn. Er wollte ihn erschießen, aber der Fuchsdrohte ihm mit der Vordertatze und sagte: ,, Schieße nicht, denn ichkönnte dir gute Hilfe bringen." Der Dumme schoß nicht und der Fuchsverschwand. Er ging weiter. Ein zweiter Fuchs kam. Er wollte ihnwie der erschießen, aber der Fuchs drohte ihm wieder und sprach zu ihmdasselbe; er schoß wieder nicht und der Fuchs verschwand. Er ging weiter.Wieder überholte ihn ein dritter Fuchs, wieder wollte er ihn erschießen,weil er dachte: ,, Du brauchst mich nicht immer irreführen." Und derFuchs drohte ihm wieder, er aber sagte: ,, Du brauchst mich nicht immerzum Narren halten, ich töte dich jetzt, du erbittest mich nicht mehr."Doch der Fuchs bat noch einmal: ,, Schieße nicht, ich kann dir gute Hilfebringen." Und der Dumme sagte: ,, Nun, so will ich's dir noch diesmalschenken, aber wenn du dich mir noch einmal zeigst, so werde ich dichohneweiters töten." Da überraschte ihn die Nacht. Er befand sich in
1) Das Märchen stammt aus Wisła, einem Dorf in Österreich.- Schlesien, und isterzählt in ,, Materyaly antropol.- archeol. i etnograficzne", Bd. IV, Teil II, S. 17 ff.*) Für gewöhnlich ist es ein Apfelbaum, der goldene Äpfel trägt und die plötzlichin der Nacht von einem Vogel gestohlen werden. S. Kolberg: Lud. Serya VIII, S. 48,wo der jüngste und dümmste Königssohn den Vogel mit Hilfe eines Raben findet.Vgl. auch Kolberg: Serya XIV, S. 103, Stefanija Ułanowska im ,, Zbiór wiadomoścido antropologii krajowej", Bd. VIII, S.( 306), Kosiński im ,, Zbiór wiad. do antrop.kraj.", Bd. VII, S.( 70),