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Polnische Volksmärchen
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Brunnen, Josefek, dort kämpfen Vögel miteinander, einer pickt demanderen die Augen aus; sie tauchen aber den Kopf in das Brunnenwasserein und die Augen wachsen von neuem. Komm dahin, Josefek, ich willdir mit dem Wasser die Augen benetzen und sie werden dir wieder wachsen."Josefek aber antwortete: ,, O du dumme Frau, du siehst dort ein großesWasser und willst mich darin ertränken." ,, Ach nein, mein lieber Josefek,ich will, daß dir die Augen wachsen." ,, Wenn dem so ist, so will ich gehen."Sie bestrich ihm die Augen mit dem Wasser und sofort sah Josefek undauch die drei Haare wurden wieder lang. Einige Zeit später lag der Königim Kriege. In drei Tagen hatte er alles verloren. Am vierten Tage sah sichJosefek den Krieg an. Er bat um das Kommando für kurze Zeit und derKrieg war bald gewonnen. Der König war darüber sehr erfreut, ging zuseinem Sehwiegersohn und sprach: ,, Da du mir alles wieder gewonnen hast,so will ich dir die Hälfte meines Reiches schenken und eine große Hochzeits-feier veranstalten." Da wurde eine große Hochzeit gefeiert, zu der vieleGäste geladen waren¹).

Das Märchen von den zehn Brüdern²).

Ein Bauer hatte zehn Söhne. Der jüngste von ihnen wurde in derFamilie ,, Böckchen"( Koziołek) genannt. Alle halfen dem Vater undwaren in der Wirtschaft tätig. Eines Tages, es war zur Zeit der Heuernte,schickte der Vater die Söhne auf die Wiese. Sie sollten das Gras mähenund es zu Heu trocknen. Sie mähten die Wiese ab und als das Gras trockenwar, häuften sie es zusammen. Jeder Bruder machte einen Schober, so daßes zehn Heuschober waren. Aber der Heuschober des ,, Böckchens" war,weil er am schwächsten war, am kleinsten von allen. Die zehn Brüderhatten während der Heuernte eine Stute bei sich. Diese trieben sie zurNacht auf die abgemähte Wiese zwischen die Heuschober, wie man esgewöhnlich tut, weil die Pferde, wenn sie grünes Gras zu fressen haben,nach Heu nicht verlangen. In diesem Falle aber geschah es unvorher-gesehener Weise anders. Die gefräßige Stute fraß während der Nachtalle zehn Heuschober auf. Groß war die Verwunderung und die Reueder Schnitter über den Verlust. Doch was sollten sie tun? Es war einmalgeschehen und nicht mehr zu ändern! Der Vater war nicht minder ver-wundert und wollte es anfänglich gar nicht glauben. Schließlich aberließ er sich von seinen zehn Söhnen überzeugen und ließ es bei der Reueum den Verlust bewenden.

1) Ein ähnliches Märchen wie das unserige erzählt auch Kosinski: Materyaly doetnografii górali Bieskidowych( Materialien zur Etnografie der Bergbewohner in denBeskiden) im ,, Zbior wiad. do antrop. kraj." Bd. VII, S.( 17). Dort tritt nur an Stelleder Mutter die Schwester ein.

*) Das Märchen ist entnommen der polnischen Zeitschrift ,, Lud"( Das Volk)Bd. II, S. 46. Lwów, 1896. Es wurde niedergeschrieben um das Jahr 1830 im KreisePoniwies im Gouvernement Kowno.

Zeitschrift für österr. Volkskunde. XXIV. Ergänzungsband XI.

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