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Polnische Volksmärchen
Entstehung
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ab, aber nicht von oben nach unten, sondern von unten nach oben." DerRitter aber entgegnete: ,, Mein liebes Pferd, du hast mich von dort zumReichtum geführt und ich sollte dir den Kopf abhauen?" ,, Schlägstdu nicht meinen Kopf ab, so muß ich den deinen abschlagen", sagte dasPferd. Wohl oder übel nahm der Ritter sein Schwert und hieb dem Pferdevon unten den Kopf ab.

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Und wißt ihr auch, meine lieben Leute, wer dieses Pferd war?Es war der Schwager des Königs, der die Königsherrschaft übernehmensollte. Er war einmal spazieren gegangen; da fuhr gerade der Zauberervorüber und sah, daß er ein ordentlicher und ehrbarer Prinz sei. Deshalbverzauberte er ihn in ein Pferd und quälte ihn auf alle mögliche Weise.Nun aber ist er wieder ein Prinz. In demselben Jahre vermählte er sichnoch und der Ritter nahm an seiner Hochzeit teil.

Die sieben Rabenbrüder¹).

Eine Witwe hatte sieben Söhne und eine Tochter. Sie backte Brotund ihre Kinder, die Söhne, liefen ihr nach und riefen: ,, Mutter, backtuns einen Kuchen." Und die Mutter drehte sich um, schimpfte sie ausund sagte: ,, Ihr lauft, Taugenichtse, hinter mir so wie Raben." Sofortwuchsen den Söhnen Rabenflügel und sie verwandelten sich zu Raben²).Sie flogen in die Welt und die Tochter, ihre Schwester, wußte nicht, wohinsie verschwunden waren. Sie flogen aber in einen Wald. Dort war einverfallener, sehr reicher Palast; in diesen flogen sie hinein. In dem Zimmer,in dem sie schliefen, gab es sieben Betten und auf den Betten lagen siebensehr saubere Bettzeuge.

1) Das Märchen stammt aus Morownica in Posen und ist entnommen Kolberg:Serya XIV, S. 18 ff.

2) Das Märchen ist in Polen ziemlich verbreitet. In einem Märchen aus Subienin Kujawien kommt die Schwester zu einer Räuberfrau, die sie auffordert, die Knocheneiner gebratenen Henne aufzubewahren. Mit Hilfe der Knochen kann sie den Bergersteigen, auf dem ihre Brüder wohnen. Sie muß aber noch sieben Jahre büßen unddarf kein Wort sprechen, weil sie in den Büchern, die sie bei den Brüdern gefunden,gelesen hat. Das Weitere ist gleich dem in unserem Märchen. Vgl. Kolberg: Serya III,S. 123 ff. In einem anderen Märchen aus Modlnica in Galizien verwandeln sich dieBrüder in sieben Störche. Die Schwester sucht sie und kommt zu drei Einsiedlern.Der erste gibt ihr ein Huhn zu essen und fordert sie auf, die Knochen aufzubewahren.Beim zweiten und dritten Einsiedler erhält sie eine Taube und eine Wachtel zu essenmit derselben Aufforderung. Mit Hilfe der Knochen gelangt sie auf den Berg, auf demsich das Nest der sieben Störche befindet. Der älteste sagt zu ihr, sie solle zu einerZauberin gehen, von der sie erfahren werde, was sie noch tun müsse, um sie zu erlösen.Von der Zauberin erfährt sie nun, sie müsse sieben Jahre stumm sein. Bevor sie weg-geht, gibt ihr die Zauberin ein Wasser, durch das ihr Haar golden wird, einen goldenenKamm und einen goldenen Teller, auf den sie ihr Haar kämmen sollte. Das Weitereist wieder so wie in unserem Märchen, außer daß der Schwester sieben Söhne geborenwerden. Vgl. Kolberg: Serya VIII, S. 38 ff.