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Polnische Volksmärchen
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eine große Hochzeitsfeier, verheiratete den Grafen mit der jüngstenTochter und schenkte ihm die Hälfte seines Reiches. Der Graf lebteglücklich mit der erlösten Königstochter und wurde nie mehr vonNot heimgesucht.

Das Märchen vom Schlangenkönig¹).

Es lebte einmal eine alte Frau. Sie hatte einen einzigen Sohn, derhieß Jaś( Hans). Beide waren sehr arm und wohnten in einer sehr altenHütte, die mitten in Wäldern lag, weit gegen Norden, fern von mensch-lichen Wohnstätten. Sie lebten von Pilzen und Waldbeeren. Manchmalgelang es Jaś, ein wildes Tier zu fangen oder eine Ente und so konntensie sich ziemlich ernähren. Sie besaßen auch genügend Acker, aber dieMutter war schon zu alt und zu schwach und Jaś seinerseits zu jung, umden Acker genügend zu bearbeiten. Deshalb hatten sie von dem Ackernicht viel Ertrag. Trotzdem waren sie sehr gastfreundlich. Jeden Wanderersahen sie in ihrem Hause gern und teilten mit ihm alles, was sie hatten,auch wenn sie sich selbst etwas entziehen sollten.

Einmal ging Jaś auf die Straße hinaus. Da vernahm er ein merk-würdiges Gewinsel. Es kam immer näher, und Jaś erblickte einen kleinenHund, den ein unbarmherziger Mensch aus dem Hause trieb. Jaś gabihm ein Stück Brot. Der Hund fraß es mit großem Appetit. Dann nahmihn Jaś auf die Arme, trug ihn nach Hause und sprach zur Mutter: ,, Mutter,ich habe auf dem Wege diesen Hund gefunden; erlaube mir, daß ich ihnbehalte!" Die Mutter aber, welche arm war und selbst nichts zu essenhatte, sagte: ,, Ich hätte nichts dagegen, aber womit sollen wir ihn füttern?",, Ich werde ihm von meinem Teil etwas geben, es wird schon gehen!"Und so blieb das Hündchen. Es bewachte seinen Herrn und war ihmin allem gehorsam. Als es groß geworden war, half es Jaś bei der Jagdauf Enten und Hasen, und es ging ihnen gut.

Eines Tages geht Jaś über eine Wiese und erblickt dabei eine Schlange,die auf dem Wege liegt und kaum noch lebendig ist. Jaś erbarmt sich derSchlange, versteckt sie unter dem Arm und bringt sie nach Hause. Hiergibt er ihr Milch von seinem Frühstück und die Schlange kommt wiederzum Leben. Sie legt sich aufs Fenster und beschaut sich alles sorgfältig.Aber die Mutter sagt: ,, Das ist doch schon zu viel, den Hund füttern,den Kater füttern, die Schlange füttern und noch dazu mit Milch, wohersoll ich das alles nehmen?" Doch Jaś entgegnet: ,, Ich werde schon immermit ihr mein Frühstück teilen, sie ist so schön, so lieb, daß ich sie umnichts aus dem Hause geben würde."

Es blieb also die Schlange beim Jaś, und es ging ihr gut. Da sie dank-bar war, behütete sie die Hütte vor Dieben. Es kam oft vor, daß alle dasHaus verließen. Da legte sich die Schlange vor die Tür, rollte sich in einen

1) Das Märchen stammt aus Ostrów in der Gegend von Sokal und ist erzähltvon Siewinski im ,, Lud", Bd. II, S. 56.