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Polnische Volksmärchen
Entstehung
Seite
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Die einäugige Not.¹)

Es lebten einst drei Brüder: einer war Kürschner, einer Schneider,einer Schmied. Im Dorfe herrschte Not, man hatte nichts zu essen. Dochdie drei Brüder hatten immer genug zu essen und sich zu kleiden.- ,, Eildie Leute reden, daß hier Not herrscht. Hm! Wie sieht die Not eigentlichaus? Wir wissen nicht, was das ist- Not.". So sprachen die drei Brüderund machten sich auf, die Not zu suchen. Sie gingen, gingen und kamenin einen Wald. Dort sahen sie eine kleine Hütte. Sie treten ein, eine alteFrau mit einem Auge sitzt am Ofen und brät Kartoffeln. Das Zimmerund die Werkstatt ist voll von Widdern., Wozu seid ihr hiehergekom-men?" ,, O, wir gehen die Not suchen!"

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"

,, Dann habt ihr sie schon

gefunden, denn ich bin die Not.". Die Brüder erschraken. Der Kürschnersagt zu der Frau:

"

,, Liebe, liebe Not,

Bring mir nicht den Tod,

Ich mach dir einen Pelz."

, Was soll ich mit einem Pelz?" entgegnet die Frau, packt ihn an derKehle und erwürgt ihn. Der Schneider fleht sie ebenfalls um Schonungund verspricht ihr einen Leinenkittel. Aber auch ihn erwürgt die Not.Der Schmied bleibt allein übrig. Er singt sich ein Liedchen:

., Liebe, liebe Not,

Bring mir nicht den Tod,Bestatten mußt mich dann,

Wenn mich der Tod gewann."

Aber

Die Not lachte nur dazu und sagte: ,, Nun, singe noch etwas."dem Schmied war die Lust zum Singen vergangen. Obwohl er sehr starkwar, fürchtete er sich dennoch, da er sah, wie sie seine beiden Brüdererwürgte. Darum versuchte er es mit Versprechungen. ,, Ei, liebe Not!ich würde dir gern ein zweites Auge machen, denn wenn du so mit einemAuge auf der Stirn herumläufst, siehst du gar nicht hübsch aus. Du wirstdann zwei Augen haben so wie ich."- ,, Willst du es wirklich machen?"-,, O, warum denn nicht?",, Nun, so mach es!"- Der Schmied nahmden Schürhaken, mit dem sie die Kartoffeln aus dem Feuer holte, machteihn glühend und brannte Frau Not das Auge aus. Nun sieht sie gar nichtsmehr. Daher kommt es auch, daß heute auch solche Leute Not leidenmüssen, die wie die Pferde arbeiten, während es Faulenzern oft gut geht.Die Not weiß nämlich nicht, zu wem sie sich begeben soll, denn sie ist

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1) Das Märchen stammt aus Dukli und Iwonicz, zwei Dörfern im Kreise Krosno,und ist erzählt im ,, Lud", Bd. VII, S. 253.