Druckschrift 
Die Weihnachtsbräuche der Serbokroaten
Entstehung
Einzelbild herunterladen
 

11

ihn fressen, wenn die Nachgeburt nicht abgeht. Auch das Wasser, in dasman ihn taucht, wird heilkräftig. Wenn die Kinder aufgestanden sind, holensie ebenfalls solche Zweige und treten mit einem ähnlichen Wunsch insHaus. Mit den Zweigen schüren sie ein wenig das Feuer, dann werfen siesie in die Glut 1.( Vgl.§ 39, Polaženik).

Im Lužnica tal spricht ein Mann einen analogen Segen mit einemEichenzweig in der Hand, den er dann in die Herdkette steckt, wo ersolange verbleibt, bis er von selbst herunterfällt 2.

Um Boljevac holt die Hausmutter einen Zwetschkenzweig, grüßt,geht zum Herdfeuer und schürt es mit den Worten: Da se pate dečica,jarići, pilići, muški teoci, jaganjci, ždrebići, med, maslo, bele pare i žuti dukati,a najviše života i zdravlja! ,, Es mögen sich mehren die Kinder, Zicklein,Küchlein, männl. Kälber, Lämmer, Fohlen, Honig, Butter, weißes Geld undgelbe Dukaten, am meisten aber Leben und Gesundheit". Dann hebt sieden Zweig hoch: Ovolika da poraste pšenica, ječam, kukuruz, ovas i sav ostaliberićet! ,, So hoch soll der Weizen wachsen, die Gerste, der Mais, der Haferund der übrige( Getreide-) Segen!" Schließlich steckt sie den Zweig in dieHerdkette 3.

Nach Trojanović bereitet in der Sirinićka Župa( Altserbien)der Hausvater am Vorabend so viele Eichenzweige vor, als das Hausmännliche Bewohner hat. Sie werden im Hofe aufbewahrt, niemand darfsie anrühren. Früh trägt der Hausvater als erster einen solchen Zweig insHaus mit dem Glückwunsch: Dobro jutro, srećna Nova Godina s berićetom!,, Guten Morgen, glückliches Neujahr und Segen!". Dasselbemännlichen Hausbewohner.

tun alle

In anderen Gegenden, so in der Ls. O molj wird für diesen Tagein eigener Glücksbringer, polažajnik oder polaženik bestellt, am liebsten einKind oder ein Zigeuner Glossar ::: zum Glossareintrag  Zigeuner, der mit einem Holzscheit dreimal das Herdfeuerschürt, in den Kamin schaut und spricht: ,, Wieviel Funken, soviel Lämmer,Zicklein, Kälber usw." Dann setzt er sich auf einen dreibeinigen Sessel undnimmt die Kappe ab. Die Hausmutter überschüttet ihn aus einem Sieb mitObst und Getreide, das er mit seiner Mütze aufzufangen sucht mit denWorten: ,, Gott, gib diesem Hause soviel Hühnchen, Truthühner, Entlein undGänslein!" Er wird mit Honigschnaps, medena rakija, bewirtet und beimWeggehen mit Handschuhen und Strümpfen beschenkt.

In der Ls. Levač muß der kokošinji položajnik ruhig auf seinemPlatze sitzen, damit die Hühner gut legen und brüten. Einen dargereichtenKürbis muß er kräftig zerschlagen, daß die Samen nach allen Seiten spritzen.( Vgl. das Zerschießen eines Kürbisses bei der Hochzeit in Gruža) 6. Einweiterer Fruchtbarkeitszauber ist das Ueberschütten des Glücksbringers mitNüssen. Legen die Hühner im folgenden Jahr fleißig, so gilt er als batlija,, Glückspilz", wenn nicht, dann als ujlija Pechvogel". In letzterem Fallwird er nicht mehr gerufen. Ebenda füttert man das Geflügel mit demaufbewahrten Barbarabrei unter folgenden zauberischen Zeremonien: Einejüngere Frau legt die Varica in ein Sieb und legt sich eine Decke über dieSchultern. Dann umwandelt sie dreimal das Haus und fragt nach jederUmwandlung die Hausmutter:" Wo legen Deine Hühner?" ,, Hier im Hause,

1 SEZb 7, 277-279.- 2 SEZb 16, 143.- 3 SEZb 14, 77. 4 SK Glasnik5 SEZb 19, 68( Omolj). Mitteilung Prof. P. Petrović aus

14, 37.Kragujevac.