IV
Vorwort.
Die vorliegende Arbeit ist der erste Versuch einer zusammenfassendenDarstellung der serbokroatischen Weihnachtsbräuche. Das wertvollste Materiallieferten die landschaftsweisen Darstellungen des Volkslebens, welche auf dievon der Belgrader und Zagreber Akademie ausgesandten Fragebogen ein-gelaufen sind, und die teils gedruckt im Srpski Etnografski Zbornik und imZbornik za narodni život, teils in Handschrift zugänglich sind, ferner Notizenin Kukuljević Arkiv, in der Zs. Karagjić und den Wissenschaftlichen Mit-teilungen aus Bosnien und der Herzegowina. Eigene Erhebungen habe ich imPlivatal( Bosnien), in der Crna Gora, in Dubrovnik und in Mazedonien ge-pflogen, in einem Bauernhaus der Ls. Gruža( bei Kragujevac) war es mir( 1923) vergönnt, die W.- Bräuche selbst mitzuerleben.
Die Fülle des sich ergießenden Materials war so überwältigend, daßdie systematische Anordnung und Durchdringung viel Zeit und Mühe er-forderte. Da die Erfahrung lehrt, daß das Material bleibenden Wert behält,während die Deutungsversuche von Generation zu Generation mit dem Fort-schreiten der Wissenschaft und der Erschließung des Vergleichsmaterialseiner Revision unterzogen werden müssen, habe ich im beschreibenden TeilDeutungsversuche absichtlich vermieden. Diese setzen erst mit den Zauber-handlungen ein, denn mit der Einordnung eines Brauches in eine bestimmteKategorie wird vielfach schon die Deutung ausgesprochen. Da Wörter undSachen zusammengehören und von gleicher Wichtigkeit sind, wurde auf dieTerminologie ein ganz besonderes Augenmerk gerichtet.
Mein Dank gebührt in erster Linie Herrn Prof. Jovan Cvijić, demPräsidenten der Belgrader Akademie der Wissenschaften, dessen Initiativeich die Fortsetzung meiner im Jahre 1912 begonnenen Studien auf demGebiete der südslawischen Volkskunde verdanke; dann spreche ich derUnterrichtsverwaltung der Tschechoslowakischen Republik für den gewährtenStudienurlaub meinen Dank aus, ferner den Leitern des volkskundlichenSeminars der Belgrader Universität, den Herren Prof. Tichomir Gjorgjević undJ. Erdeljanović, den Herren Direktoren N. Sega( Ethnograph. Museum Belgrad)und Tkalčić( National- Museum Zagreb), den Herren Prof. S. Trojanović,V. Čajkanović, H. Barić und Herrn Prof. N. Jokl( Wien), die mich mit größterLiebenswürdigkeit durch zahlreiche Hinweise und Ratschläge gefördert haben.Meinen wärmsten Dank drücke ich auch Herrn Hofrat Prof. M. Haber-landt aus, der in diesen schweren Zeiten das Erscheinen des Buches in diesemUmfang ermöglicht hat.
Belgrad, im Oktober 1924.
Edmund Schneeweis.