PREDIGT MÄR LEIN
D
Per apparer ciascun s'ingegna e facesue invenzioni; e quelle son trascorseda' predicanti e' l Vangelio si tace.Paradiso, c. XXIX, 94
a erzählt ein Prediger: Die Leute von Bergamo stellten einmal Be-trachtungen an, warum Gott den Menschen den Kopf so geschaffenhat, wie er ist mit den verschiedenen Sinnen und Organen. Recht gutsahen sie ein, zu was Nutzen die Augen geschaffen sind, nämlich zumSehen, weil das Gesicht dem Menschen gar notwendig ist, und ebensobegriffen sie, daß der Mund zum Essen dient und die Zähne, die hartenSpeisen zu kauen, und die Ohröffnungen zum Hören; aber wozu außen dieOhrmuscheln dienen sollten, das vermochten sie keineswegs zu begreifen.
Eine lange Zeit wurden sie ihres Zweifels nicht schlüssig; da sie aberdie Wahrheit durchaus ergründen wollten, wählten sie Gesandte undschickten sie nach Cremona, wo damals eine Schule der Weltweisheitwar, und sie trugen ihnen auf: ,, Ziehet hin nach Cremona und forschetdort bei den Gelehrten, auf daß ihr den Urgrund erfahret, daß die Ohr-muscheln außen sind."
Als die Gesandten auf ihrer Wanderung nach Cremona an das Uferdes Po kamen, wo weder eine Brücke, noch eine Fähre war, daß sie hättenübersetzen können, zogen sie sich, weil sie auch nicht beritten waren, dieSchuhe aus, um den Fluß zu durchwaten. Und der eine war geschwinderals der andere, und die ausgezogenen Schuhe band er aneinander, um siesich über die Schulter zu werfen, damit er die Hände frei bekomme undden Rock heben könne, auf daß er nicht naẞ werde.
Und bei dem Wurfe schlang sich der Riemen um das Ohr, und dieSchuhe blieben an dem Ohr hängen.
Da sagte der andere: ,, Lieber Gesell, laß uns heimkehren nach Ber-gamo; ich weiß schon, warum Gott die Ohren gemacht hat, wie sie sind."
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