Druckschrift 
Dante-Novellen
Entstehung
Seite
86
Einzelbild herunterladen
 

DER HÖLZERNE FISCH

Questi che m' è a destra più vicino,

frate et maestro fummi, ed esso Albertoè di Cologna.

Paradiso, c. X, 97

in gar trefflicher und frommer Mann, Meister Albertus aus Deutsch-

Ein

land mit Namen, kam auf einer Reise durch die Lombardei einesAbends in ein Dörfchen, das Villa di San Alberto hieß. Er trat bei einemarmen Herbergswirt ein, um zu essen und zu übernachten, und da sah erviele Fischernetze und eine Menge Mädchen; darum befragte er den Wirtum sein Geschäft und ob es genug abwerfe und ob das seine Töchter seien,und der Wirt sagte: Vater, ich bin bettelarm und habe sieben Mädchen,und wenn nicht das Fischen wäre, so stürbe ich vor Hunger." Nun fragteihn Meister Albert, wieviel er denn fange, und er antwortete: MeinerTreu, lange nicht, was ich brauchen würde; ich habe nicht viel Glück beider Hantierung."

دو

Am Morgen hatte Meister Albert einen hölzernen Fisch gemacht, under rief den Wirt und sagte ihm: Nimm den da, und wann du fischst, sobinde ihn ans Netz, und du wirst immer Fische in schwerer Menge fangen;und vielleicht wird dir das eine große Hilfe sein, deine Töchter zu ver-heiraten." Der arme Wirt nahm das Geschenk mit Freuden an und be-dankte sich innig; und der Gast ging, um seine Reise nach Deutschlandfortzusetzen.

Der Wirt, der darauf brannte, den Holzfisch zu versuchen, ging nochan demselben Tage fischen und nahm ihn mit; und eine solche MengeFische schwamm dem hölzernen zu und füllte die Netze, daß er sie kaumaus dem Wasser ziehen und heimschaffen konnte. Und da dieses Glück an-dauerte, hatte er nun ein leichtes Leben, und seine Armut wandelte sichin so großen Reichtum, daß er in kurzer Frist alle seine Töchter verheiratenkonnte.

86