Druckschrift 
Dante-Novellen
Entstehung
Seite
63
Einzelbild herunterladen
 

BLUTRACHE IM GOTTESHAUSE

K

Colui fesse in grembo a Dio

lo cor che' n su Tamici ancor si cola.Inferno, c. XII, 119

önig Heinrich von England, der Vater des guten Eduard, war ein

Mann von einfältigem Sinn, so daß ihn die Barone miẞachteten;darum bestellte er, weil Eduard zu jung war, seinen Schwager, den GrafenSimon de Montfort, zum Statthalter. Das war ein gar gefürchteter Herr,vor dem alles zitterte, und als er die Herrschaft in der Hand hatte, ließ erals Rebell und Hochverräter fälschlich aussprengen, der König habe ge-wisse unbillige Gesetze gegen das Volk erlassen, und setzte ihn und Eduardim Turm zu Dover gefangen und behielt die Herrschaft.

Die Königin gedachte Eduard zu befreien, und ihren Plan baute sieauf den Umstand, daß Graf Simon an jedem Osterfeste nach Dover kamund Eduard aus dem Turm nahm und sich von ihm auf einem Ritte be-gleiten ließ. Da ansonsten Eduards Haft so streng war, daß nicht einmalein Brief zu ihm gelangte, schickte die kluge Königin ein kluges, schönesFräulein, die es verstand, künstliche Stickereien, Börsen, Weidtaschen unddergleichen anzufertigen, nach Dover. Als Eduard sie sah, verliebte er sichin sie, und er brachte es bei seinen Wächtern zuwege, daß sie ihm sie zu-führten, und als er sie nehmen wollte, sagte sie: Ich bin um andererDinge willen da", und zog einen Brief der Königin hervor, der seinerBefreiung und seinem Heile galt; und in dem Briefe sagte die Königin,sie werde ihm einen Roẞkamm aus Florenz, Persona Fulberti mit Namen,mit tüchtigen Rennern schicken und ein vielrudriges Kampfboot, und waser zu tun haben werde.

Als dann am Ostertag Graf Simon, wie gewohnt, nach Dover ge-kommen war und Eduard aus dem Turm geholt hatte, versuchten sie diePferde des Roẞkamms, und mit Erlaubnis des Grafen bestieg Eduard dasbeste und tummelte es herum, und schließlich nahm er Reißaus und

63