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Dante-Novellen
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DER RÄUBER ALS RÄCHER

Ghan

Quiv' era l'Aretin che da le bracciafiere di Ghin di Tacco ebbe la morte.Purgatorio, c. VI, 13

hino di Tacco aus Asinalunga im Gebiete von Siena war ein großerHerr und hatte viele Schlösser in der Maremma; die wurden ihmdann von dem Grafen von Santa Fiore genommen. Von Natur aus war erkein böser Mensch; er wurde es aber durch die Umstände, da er das Seinigeverloren hatte. Darum begann er auf den Straßen zu rauben, und durchÜbereinkunft mit den Inwohnern nahm er Radicofani, das der Kirche ge-hörte; von dort aus betrieb er mit seinen Reisigen Raub und Plünderung,so daß durch diese Gegend niemand sicher nach Rom oder anderswohinreisen konnte. Aber von allen, die ihm in die Hände fielen, war schier keinMensch, der nicht zufrieden von ihm geschieden wäre und ihm fortanseine Liebe zugewandt und sein Lob verkündet hätte. War der Gefangeneein Kaufmann, so fragte ihn Ghino freundlich, wieviel er ihm geben könne,und sagte der: ,, Fünfhundert Gulden", so nahm er nur dreihundert undgab ihm zweihundert zurück und sagte: Du sollst Handel treiben unddeinen Verdienst haben können." War es ein reicher, feister Priester, sonahm er ihm das schöne Maultier und gab ihm einen jämmerlichenKlepper. War es ein armer Schüler, der zur Hochschule zog, so gab erihm etliches Geld und mahnte ihn, sich wohl zu verhalten und es inder Wissenschaft vorwärtszubringen.

Nun war damals Stadtrichter von Siena Messer Benincasa da Laterino,ein trefflicher Kenner des Rechts, Gesell Meister Accorsos von Florenz, desVerfassers der Glossa, und der verurteilte Ghinos Bruder Turino, dergleicherweise Räuber war, zum Tode. Und nach der Verkündigung desUrteils sagte dieser Turino: Nicht länger soll meine Seele im Fegefeuersein, als die deinige in deinem Leibe", d. h.:,,Du wirst gar bald ein toterMann sein." Aber Messer Benincasa ließ ihn henken.

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